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Altenhilfe: Der Spagat zwischen Theorie und Praxis

Die Teilnehmer des H-Netzwerktreffens nahmen eine große Portion Motivation mit nach Hause. Foto: Dr. Claudia Busch
Die Teilnehmer des H-Netzwerktreffens nahmen eine große Portion Motivation mit nach Hause. Foto: Dr. Claudia Busch

H-Netzwerktreffen 2008 in Gießen

Erschienen in der VDOE POSITION 2/2008

Am 22. und 23. Februar fand das 14. H-Netzwerktreffen in den bereits erprobten Räumen des Instituts für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung in Gießen statt. Auf der Tagesordnung stand das Thema: "Bewohner- und Lebensweltorientierung als neuer Ansatz in der Altenhilfe - und die Herausforderungen für die Haushaltswissenschaften". Mit 20 Teilnehmern war die Beteiligung für das relativ kleine H-Netzwerk erfreulich hoch. Wen wundert's, wenn man neben der demografischen Entwicklung auch das wachsende Interesse der Öffentlichkeit am Lebensalltag in stationären Senioreneinrichtungen betrachtet?

Direkt nach einem kurzen Bericht von Dr. Claudia Busch aus der Arbeit des VDOE-Vorstandes begann Martina Feulner als erste Referentin mit der Belebung des Themas. Vor dem Hintergrund ihrer langjährigen praktischen Arbeit in der hauswirtschaftlichen Begleitung von Senioreneinrichtungen beleuchtete die Diplom-Oecotrophologin die oft unterschiedlichen Sichtweisen des "Menschen im Mittelpunkt" der Professionen Pflege und Hauswirtschaft. Um diese Unterschiede zu überwinden, sei es unerlässlich, die positiv belegten Dienstleistungen der Hauswirtschaft - wie zum Beispiel genussvolles Essen - dem Menschen im Heim wieder alltagsnah und an seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten orientiert anzubieten.

Praktiker im Zwiespalt

Die anschließende Diskussion bestätigte den Zwiespalt, in dem sich Praktiker in den Einrichtungen oft befinden. Sie bewegen sich zwischen haushaltswissenschaftlichem Ansatz, guter hauswirtschaftlicher Praxis, den Bedürfnissen der Bewohner und der Angehörigen sowie den Anforderungen der Geschäftsführung und den Rahmenbedingungen des Gesetzgebers.

Selbstständigkeit im Alter fördern

"Jeder wohnt und keiner wohnt nicht!" - so postulierte Prof. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt in der Eröffnung ihres Beitrages eine eher sozial- als naturwissenschaftlich geprägte Herangehensweise. Um dem in der Gesellschaft fast verpönten Alt- und Gebrechlich-Werden tatsächlich adäquat zu begegnen, wünscht sie sich Wohnformen mit mehr Selbstbeteiligung, Freiheit und Selbstbestimmung. Zu bedenken gab sie dabei die sich mit dem Generationenwechsel wandelnde Vorstellung von Hauswirtschaft: Wenn heute die selbst geschälte Kartoffel als Wert für mehr Eigenständigkeit in der Verpflegung angesehen werde, könne das morgen durchaus die selbst ausgesuchte und beim Lieferservice selbst bestellte Pizza sein.
Als Beispiel für politische und öffentlichkeitswirksame Signale beschrieb sie ihr Engagement in der Bundeskonferenz für Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen e.V. (BUKO/QS) für mehr Selbstbestimmung und Genussorientierung im Bereich "Ernährung".

Wunsch: Uni-Standorte sichern

Der Aufruf, der in diesem Zusammenhang zu hören war, lautete: "Engagiert Euch in haushaltswissenschaftlicher Forschung - es betrifft Euch persönlich und fachlich!" Er war so deutlich, dass er in die anschließende Gruppenarbeit als ein weiteres Thema aufgenommen wurde. Aus Sicht der Experten ist die Basis für diese Forschung der Erhalt der universitären Standorte. Dort werden haushaltswissenschaftliche Fragestellungen erfasst, wissenschaftlich bearbeitet und in die Lehre mit eingebunden.

Direkten Praxisbezug boten auch die Workshops "Erfahrungen mit der MDK-Prüfung (MDK steht für Medizinischer Dienst der Krankenkassen) und der Heimaufsicht" und "Erfahrungen mit Bewohner- und Lebensweltorientierung".

Einhelliger Dank ging an die Organisatorin des Treffens, Dr. Pirjo Schack, die im Schlusssatz an alle appellierte, den Motivationsschub aus der Tagung in berufspolitische Arbeit für die Haushaltswissenschaft umzusetzen.

Ilse Buchgraber, Alzenau

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