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Erschienen in der VDOE POSITION 2/2007
"Strukturelle Defizite, bedingt unter anderem durch den Föderalismus in Deutschland, verhindern eine professionelle Umsetzung von Schulverpflegung auf breiter Basis", dieses Fazit zog Oecotrophologe Holger Pfefferle (DGE) auf dem 13. VDOE-Netzwerktreffen der Haushaltswissenschaftler am 24. Februar 2007 in Gießen. 19 Teilnehmer diskutierten dort das Thema "Schulverpflegung zwischen Qualität, pädagogischem Auftrag und Wirtschaftlichkeit".
DGE-Mitarbeiter Pfefferle legte die theoretischen Grundlagen und stellte das Projekt "Schule + Essen = Note 1" vor. Er verdeutlichte auch, in welchem Spannungsfeld alle Beteiligten stehen: Während es für die Schüler um schnelle und schmackhafte Bedürfnisbefriedigung geht, steht für Eltern eine preisgünstige und gesunde Versorgung ihrer Zöglinge im Vordergrund. Schulleitungen, die Essensversorgung entweder als Vorzeigeprojekte fördern oder als Stiefkind behandeln, sind der unkomplizierte Ablauf und der Preis wichtig. Die Wissenschaft hingegen fordert Vollwertigkeit und Ausgewogenheit. Und für den Anbieter spielt der ökonomische Aspekt die bedeutende Rolle. Pfefferle machte klar, dass einheitliche Richtlinien, eine Verknüpfung mit pädagogischen Konzepten, subventionierte Preise und eine verbindliche Anzahl an Essensteilnehmern strukturelle Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Schulverpflegung sind.
Oecotrophologin als Caterer
Forderungen, die auch Elisabeth Wandel, Inhaberin eines kleinen Catering-Unternehmens im oberfränkischen Trogen, unterstützt. Sie stellte den Netzwerkern ihren bereits preisgekrönten Lieferdienst vor, der Kindergärten und Schulen mit vollwertigem, altersgerechtem, saisonalem und regionalem Mittagessen versorgt. Mit viel persönlichem Engagement und Unterstützung ihrer Familie hat sie diesen aufgebaut. Die Oecotrophologin scheute sich dabei nicht vor einer Investition und dem Komplett-Umbau ihrer alten Waschküche in eine Catering-Küche. Sie stieß und stößt dabei aber auch auf Probleme, die sie so vorher gar nicht gesehen hatte: Bürokratische Hürden, Mitarbeitersuche und der hohe Arbeitsaufwand für "Nebentätigkeiten" wie beispielsweise Buchhaltung oder Wäschereinigung.
Gefordert: Profis und Strukturen
Doch ob Theorie oder Praxis: Wandel und Pfefferle waren sich einig, dass Qualität zwar oft gefordert, aber nicht unbedingt überprüft würde. Die Diskussionen und Erfahrungen der Teilnehmer - von denen viele selber Eltern sind - machten ebenfalls deutlich: Häufig engagieren sich Eltern aus der Not heraus für die Schulverpflegung. Dies bringt in Einzelfällen gute Lösungen, manchmal aber auch Schulverpflegung mit gravierenden Mängeln, vor allem hinsichtlich Hygiene und gleichbleibender Qualität. Das Engagement einzelner Eltern und Lehrer löst das strukturelle Problem nicht. Im Gegenteil: Es nimmt die verantwortlichen Entscheidungsträger scheinbar aus der Pflicht, weil es ja vor Ort klappt. In der Konzeption und strukturellen Umsetzung sind daher Profis wie etwa Oecotrophologen gefragt, für die hygienische Standards, Küchentechnik oder ernährungsphysiologische Grundlagen zum Handwerk gehören. Und gerade für Haushaltswissenschaftler gibt es viele Chancen, Schulverpflegung erfolgreich mit zu gestalten.
Der Tag am Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung verging wie im Fluge, so viel Diskussionsstoff, Kontakte und Gespräche boten sich auf dem Netzwerktreffen. Auch im nächsten Jahr treffen die Haushaltswissenschaftler sich wieder, um ein aktuelles und spannendes Fachthema zu diskutieren. Bis dahin bleibt der persönliche Austausch oder die Diskussion über die Netzwerkliste.
Astrid Donalies, Geschäftsstelle
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