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PORTRÄT DOROTHEA MOHN – REFERENTIN GELDANLAGE BEIM VZBV

Wie David gegen Goliath kämpft
Erschienen in der POSITION 1|12

POSITION: Sind die Banken schuld an der Krise?

Mohn: Im Kern sicherlich. Aber auch die Politik ist mitverantwortlich. Ich schaue mir die Krise allerdings weniger aus der übergeordneten Perspektive des Finanzmarktes als Ganzes an. Mich beschäftigt in erster Linie das Verhalten der Anbieter am Finanzmarkt gegenüber den Verbrauchern. Dabei ist das zentrale Problem, dass die Beratung der Kunden durch die Banken nicht funktioniert. Im Grunde findet dort keine Beratung, sondern schlichter Verkauf statt. Und das, was verkauft wird, geht sehr häufig am Bedarf der Verbraucher vorbei. Häufig sind die Produkte überteuert, es wird fälschlich em pfohlen, Produkte zu verkaufen und angeblich bessere nachzukaufen oder es wird an der Risikobereitschaft und auch -tragfähigkeit vorbei verkauft.

POSITION: Aber Sie prügeln sich nicht, wenn Sie mit Bankern zusammen sind.

Mohn: Wenn überhaupt, dann höchstens in Gedanken. Aber Spaß beiseite, das läuft alles ganz gesittet ab. Manchmal sitzt man mit denen sogar bei einem Gläschen Wein. Dann sickert selbst bei den Banklobbyisten schon mal durch, dass die Dinge, die sie vertreten, nicht unbedingt der eigenen Überzeugung entsprechen. Dann kommen schon mal State ments wie: „Ich kann Ihre Position eigentlich ganz gut verstehen.“

POSITION: Da haben Sie es natürlich einfacher: Moralisch sind Sie immer auf der „guten“ Seite. Haben Verbraucherschützer den besseren Charakter?

Mohn: Ich habe tatsächlich selten Situationen, in denen ich mich verbiegen muss. Trotzdem hört sich Ihre Frage so anklagend an. Ich möchte kein Urteil fällen, das in die Richtung geht „Wir Verbraucherschützer sind heilig und die anderen sind schäbig“. Wahrscheinlich müssen die meisten Menschen Dinge tun, hinter denen sie nicht zu 100 % stehen. Dass ich heute dort arbeiten kann, wo ich es mir von Anfang an gewünscht habe, ist auch etwas Glück zu verdanken.

POSITION: Wie sind Sie als Oecotrophologin zum Thema Geldanlage gekommen?

Mohn: Ich wusste zum Ende des Studiums hin, dass ich im Verbraucherschutz arbeiten möchte. Ich habe mich nach dem Grundstudium in Bonn für den H-Zweig entschieden und mich stark auf die wirtschaftswissenschaftlichen und verbraucherpolitischen Aspekte konzentriert und dabei auch die Lust an der politischen Auseinandersetzung entwickelt. Im ersten Job habe ich allerdings Lobbying für einen kleinen Wirtschaftsverband betrieben. Als ich dann diese Stelle gesehen, mich darauf beworben und sie bekommen habe, war ich zur rechten Zeit am rechten Ort. Als Referentin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes mache ich Lobbyarbeit rundum das Thema Geldanlagen und Altersvorsorge – und habe damit meinen Traumjob.

POSITION: Ist das Thema Geldanlage für eine Oecotrophologin nicht trotzdem ziemlich exotisch?

Mohn: Natürlich musste ich mir immer wieder die Frage anhören, warum man denn gerade für diesen Job eine Oecotrophologin eingestellt hat. Das macht mir heute nichts mehr aus, weil ich in meiner Position gefestigt
bin. Ich selbst fühle mich überhauptmnicht als Exot. Ich habe von Anfang angesagt: „Ich arbeite mich da ein!“, und das hat funktioniert. Trotzdem würde ich mich im Rückblick bei der Wahl des Studiums wohl stärker fachlich konzentrieren,um eine stärkere Spezialistenrolle vertreten zu können. Ich bin mir inzwischen unsicher, wie hilfreich der generalistische Ansatz des Oecotrophologiestudiums ist.

POSITION: Zurück zu den Inhalten: Stehen Verbraucherschützer im Kampf gegen die mächtige Finanzwirtschaft nicht auf verlorenem Posten?

Mohn: Es ist ein Kampf David gegen Goliath, für den man viel Geduld braucht. Die Finanzwirtschaft setzt ihre ganze Macht daran, dass sich an den bestehenden Intransparenzen nichts ändert.Trotzdem haben sich Dinge bewegt und es sind Veränderungen zugunsten der Verbraucher verhandelt worden. Manchmal bin ich sogar ganz zufrieden mit dem, was wir mit unserer verhältnismäßig geringen Manpower schon erreicht haben. Es gibt da durchaus auch positive Entwicklungen. Zudem habe ich, was den Job angeht, ein sportliches Naturell. Ich kann abends nach Hause gehen und sagen: „Jetzt ist Feierabend, und morgen geht es weiter.“ Für mich gehört das zur Professionalität, dass punktuelle Frustrationen meine Stimmung nicht runterziehen.

POSITION: Macht es Spaß, an so exponierter Stelle zu kämpfen?

Mohn: Absolut. Natürlich gibt es immer mal wieder Frust, aber wenn der mir wirklich an die Substanz ginge, hätte ich mir längst einen anderen Job gesucht. An diesem Punkt bin ich noch lange nicht.

Das Gespräch führte
Dr. Friedhelm Mühleib

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Dorothea Mohn

Bild: Dorothea Mohn in: VDOE POSITION 1|12
Foto: baumbach

Position: Referentin Geldanlage und 
Altersvorsorge
Arbeitgeber: Verbraucher-
zentrale  Bundesverband  (vzbv)
Ausbildung: Dipl.-Oecotroph.
Uni Bonn
Kontakt/E-Mail:
dorothea.mohn~web.de
Mehr Infos zum Arbeitgeber:
www.vzbv.de

 

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