Sie sind hier: Start / Jahrestagung

Bundeskongress der drei Berufsverbände

Erschienen in der VDOE POSITION 3/2008

"Der demografische Wandel ist ein 'Megatrend', aus dem sich neue Food-, Health-
und Lifestyletrends ergeben." So charakterisierte Dr. Andrea Lambeck, Vorstandsvorsitzende des VDOE, in ihrer Begrüßungsrede das Thema des zweiten
gemeinsamen Bundeskongresses des Bundesverbandes der Ernährungsmediziner (BDEM), des Verbandes der Diätassistenten (VDD) und des Verbandes der Oecotrophologen (VDOE) am 25. und 26. April dieses Jahres in Wolfsburg.

Dabei kamen die Berufsverbände zu dem Schluss: Ernährungsmediziner,
Diätassistenten und Oecotrophologen sind die richtigen Partner, wenn es um
Kompetenz in der Ernährung geht. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Gesundheit notwendiger denn je, um als Gesellschaft von der höheren Lebenserwartung zu profitieren und als Individuum erfolgreich altern zu können. Die Vorsitzenden der drei Berufsverbände, Prof. Dr. Udo Rabast (BDEM), Doris Steinkamp (VDD) und Dr. Andrea Lambeck (VDOE), waren sich zudem einig, dass die
Veränderung der Alters- und Familienstruktur durchaus positive Auswirkungen hat. So meinte der BDEM-Präsident Rabast in seiner Begrüßungsrede, statt
Horrorvisionen von der völligen Vergreisung der Gesellschaft für die Zukunft zu
schüren, solle der Blick auf die Chancen gerichtet werden: "Die alternde
Gesellschaft ist nur ein Problem, wenn wir uns nicht darauf einstellen!"

Chancen der alternden Gesellschaft

Künftig werden viele Menschen 40 Jahre und mehr mit dem Etikett "alt" leben müssen konstatierte Dr. Stefan Blüher von der Berliner Charité. Das verlange mehr Differenzierung: An das 3. Lebensalter der "jungen Alten" schließe sich das 4. Lebensalter an, das von körperlichen wie psychischen Erkrankungen und
Pflegebedürftigkeit geprägt sei. Daraus ergibt sich für Blüher die Frage nach
den Auswirkungen auf die Verteilung von Gesundheit und Krankheit und nach der künftigen Gestaltung der Strukturen unseres Gesundheitssystems. Ziel müsse es sein, die Einschränkungen der Lebensqualität durch Prävention so weit wie möglich in das 4. Lebensalter zu verschieben. Für Oecotrophologen,
Ernährungsmediziner und Diätassistenten böten sich hier neue Aufgaben und
Chancen. Blüher sprach sich dabei für mehr Zusammenarbeit der Berufsgruppen aus. Voraussetzung sei mehr Handlungsautonomie für die beteiligten Akteure, um eine eigenständige Erbringung von Leistungen zu ermöglichen. Gleichzeitig müssten die Rahmenbedingungen für eine effiziente und effektive Aufgabenverteilung zwischen den Berufsgruppen geschaffen werden.

Vernetzung - die Zukunft der Beratung

Räumlich fernab der Demografie-Vorträge versammelten sich am Nachmittag des
ersten Kongresstages die "Praktiker" zu einer berufspolitischen Sitzung. Ganz
nah an der Debatte stand hier im Mittelpunkt, was auch im Rahmen des
demografischen hervorragende Grundlage für eine qualitätsgesicherte Ernährungstherapie dar, wobei die Mitwirkung eines Arztes bei ernährungsmedizinischen Indikationen obligatorisch sei. Scheidacker ermunterte das Auditorium, sich für dieses Modell zu begeistern und zu engagieren. Bislang existieren bundesweit 46 ernährungsmedizinische Schwerpunktpraxen. Die Ernährungsmedizinerin Dr. Martha Ritzmann-Widderich hob ebenfalls das Potenzial der Vernetzung von Ernährungsfachkräften hervor. Auf diesem Weg ließe sich Ernährungsmedizin am ehesten effektiv und wirtschaftlich gestalten: Allerdings gäbe es gut funktionierende therapeutische Netze bisher nur auf lokaler Ebene, ein Austausch der Anbieter und Zentren findet bislang kaumstatt. Das wäre, so Ritzmann-Widderich, jedoch eine Voraussetzung für mehr Akzeptanz bei den Kassen und der Politik und damit auch die Basis für eine bessere Honorierung.

Podiumsdiskussion: Aktionspläne und was dann?

"Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht! Und mach noch einen zweiten Plan - gehn tun sie beide nicht." Das Zitat aus Brechts "Dreigroschenoper"
könnte das Motto der Wolfsburger Podiumsdiskussion gewesen sein, in der Dr.
Andrea Lambeck (VDOE), Doris Steinkamp (VDD) und Dr. Bertil Kluthe (BDEM) mit  Dr. Christian Grugel vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Aktionspläne (AP) der Bundesregierung diskutierten. Vom AP "Allergie" über den AP "Essstörungen" bis hin zum Eckpunkte-Papier "Ernährung und Bewegung", das inzwischen den "NAP" ("Nationaler Aktionsplan") hervorgebracht hat, häufen sich die Pläne aus der Politik in fast schon inflationärer Weise, wobei zu hoffen ist, dass den großen Worten auch große Taten folgen.

Die Diskussion offenbarte ein altes Dilemma: Die Vertreter der Verbände machten den Anspruch auf aktive Einbindung ihrer Mitglieder in die geplanten Maßnahmen geltend. Grugel hielt dagegen, man könne nicht erwarten, dass alles "von oben herab", also von der Politik, geregelt werde. Nach dem Best-Practice-Ansatz würden im Rahmen der Pläne die Projekte fortgeführt, die Erfolg hätten. Um hier mitzumischen, müssten Ernährungsfachkräfte an Projekt-Ausschreibungen teilnehmen sowie dem BMELV Projekte vorschlagen und Hinweise für eine bessere Vernetzung geben.

Noch mehr agieren statt reagieren - darin sah schließlich Dr. Andrea Lambeck für die Oecotrophologen den einzig gangbaren Weg, um die Pläne mit Leben zu erfüllen bzw. aktiv mitwirken zu können. Dazu seien z.B. auch einheitliche und abgestimmte Botschaften in der Ernährungsberatung und eine Bekämpfung des Wildwuchses in der Ernährungsberatung nötig. Ernährungsberater sollten nicht nur isoliert arbeiten, sondern - ausgehend von den Leitlinien für politisches Handeln - Chancen zur Vernetzung aufgreifen und nutzen.

Melanie Kirk-Mechtel / Sandra Wittig

Örtliche Gruppen

  Gruppen anzeigen ...

 

© Verband der Oecotrophologen e.V. (VDOE)