Als Ernährungsberater in England

Nur mit Registrierung gibt es eine Chance auf dem englischen Arbeitsmarkt

 Erschienen in der VDOE POSITION 1/2007

Wer in England als Ernährungsfachkraft arbeiten möchte, hat mit einem in Deutschland erlangten Diplom der Oecotrophologie sehr begrenzte Arbeitsmöglichkeiten. Grund dafür ist, dass in England der Titel "Dietitian" oder "Registered Dietitian" (RD) nicht ohne staatliche Registrierung geführt werden darf. Die Anerkennung von  Diätassistenten bzw. Ernährungsfachkräften gibt es in England seit 1962. Sie besteht zum Erhalt von Praxisstandards, die auf der Website des Health Professions Council (HPC) zu finden sind. Wie man mit deutschem Abschluss zu dieser Registrierung kommt, schildert der nachfolgende Beitrag.

In England nehmen zwei Organisationen die Registrierung bzw. Anerkennung von Ernährungsfachkräften vor. Die Nutrition Society (NS) erkennt "Nutritionists" (RNutr) und "Public Health Nutritionists" (RPHNutr) an. Voraussetzungen dafür sind ein universitärer Abschluss und mindestens drei Jahre Berufserfahrung im Fachbereich. Die Mitgliedschaft in der NS ist eine Voraussetzung, um eine Registrierung zu beantragen. Der Nutrition Society Website kann die Liste der Bewerbungsunterlagen entnommen werden.

Geduld gehört dazu

Das staatliche HPC prüft und erteilt die Anerkennung von paramedizinischen Berufen in England. Erst wer HPC-anerkannt ist, kann Mitglied der British Dietetic Association (BDA) werden. Die BDA ist die einzige professionelle Organisation für Dietitians in England.
Das Verfahren für eine Anerkennung eines nicht-englischen Titels ist zeitaufwändig. Auf der HPC-Website findet man das Antragsformular inkl. Prozedere (Externer Link, öffnet in neuem Fenster www.hpc-uk.org/apply/international). Voraussetzungen für einen erfolgreichen HPC-Antrag sind ein abgeschlossenes Studium der Ernährungswissenschaft und klinische Erfahrung. Die HPC prüft in einem streng regulierten Verfahren alle Anträge. Das National Recognition Information Center (NARIC) überträgt internationale Studienabschlüsse auf das englische System. EU-Graduierte können das "Translation Waiver Scheme" in Anspruch nehmen.

Nachweise erteilen die Fachverbände

Eine Besonderheit der HPC-Antragsanlagen ist das "Course Information Form". Dieses Formblatt entspricht einem Nachweis der theoretischen und praktischen Ausbildung an der Universität. Ein Zulassungsnachweis für Oecotrophologen als Ernährungsberater kann in Deutschland vom VDOE erteilt werden; für Diätassistenten stellt der Verband der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband (VDD) Nachweise aus. Ausländische Antragsteller erhalten eine HPC-Beurteilung und werden entweder direkt anerkannt oder müssen zu einem Assessment nach England bzw. weitere Dokumente wie zum Beispiel Fallbeispiele einreichen, um die HPCAssessoren von Kompetenz und praktischen Fähigkeiten zu überzeugen. Mit einem positiven HPC-Bescheid kann man sich erst in England bewerben. Ohne die Registrierung sind Bewerbungen aussichtslos und es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, für die keine Registrierung benötigt wird.
Die fachliche Fortbildung für Registered Dietitians ist seit dem 1. Juli 2006 in England obligatorisch und wird vom HPC gefordert. Fortbildungsaktivitäten sind unter anderem wichtig für die Rezertifizierung, die alle drei Jahre erfolgt.
Das übliche Berufsfeld von Dietitians ist im Krankenhaus oder in Kliniken, wo sie eng mit Ärzten und anderen Therapeuten zusammenarbeiten. In England arbeiten rund 70-80 Prozent der RDs im staatlichen Gesundheitssystem, dem National Health System (NHS). Die restlichen 20 bis 30 Prozent arbeiten als freiberufliche Ernährungsberater, in der Schulverpflegung, für Verbände und Organisationen oder in der Wirtschaft.

Kaum Aufstiegschancen

Die Aufstiegsmöglichkeiten von Dietitians sind begrenzt. Im NHS beginnt eine RD mit "Grade 5" und kann bis "Grade 7" (Senior) steigen. Seit Kurzem gibt es die "Consultant Dietitian", die mit langjähriger Berufserfahrung sowohl komplexe klinische Fälle behandelt als auch eine Leitungsfunktion in Kliniken einnehmen kann. Die Zukunft dieser Fachkraft wird in fach und organisationsübergreifenden Funktionen gesehen.
Als RNutr oder RPHNutr kann man im NHS als Community Dietitian oder Public Health Dietitian arbeiten, nicht jedoch im klinischen Bereich. Grund dafür ist das unterschiedliche Zulassungsverfahren und die unterschiedlichen Ausbildungswege. Wer in England "RD" wird, nimmt an mehrmonatigen studienbegleitenden Klinikpraktika teil. Ohne klinische Erfahrung ist die HPC-Anerkennung unwahrscheinlich. Wird der Kriterienkatalog des HPC erfüllt, kann ein in Deutschland qualifizierter Ernährungswissenschaftler prinzipiell in England zugelassen werden.

Christina Reger, Recklinghausen

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Die Autorin

Christina Reger, Recklinghausen


E-Mail:  christin_reger~yahoo.co.uk

 

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