Vom Oecotrophologen zum Journalisten

Medienbranche ist trotz Wirtschaftskrise für Ökotrophologen interessant

 Erschienen in der VDOE POSITION 1/2004

Oecotrophologie und Journalismus ergeben eine interessante Kombination. Denn es bieten sich vielfältige Arbeitsmöglichkeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern. Obwohl die Medienkrise auch vor Spezialisten nicht Halt macht, gibt es trotzdem gute Gründe, auch jetzt in den Journalismus einzusteigen. In bestimmten Bereichen könnte der Bedarf an Diplom-Oecotrophologen mit journalistischer Zusatzausbildung sogar zunehmen.

Redakteure, Journalisten, PR-Leute

Zumeist wird unter der Berufsgruppe der Journalisten die schreibende Zunft verstanden. Doch in Wirklichkeit ist das Arbeitsspektrum viel breiter und lässt sich in drei Gruppen einteilen: Redakteure, Journalisten und PR-Arbeiter.

Redakteure bei Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk, Fernsehen und Internet haben die Verantwortung für das, was im Blatt oder im Netz steht bzw. über den Sender geht. Das bedeutet, sie sind für die Themenplanung zuständig, stimmen die Inhalte mit den anderen Redaktionen ab, "kaufen" Beiträge ein, betreuen Autoren, die ihnen zuliefern, überarbeiten angelieferte Beiträge, haben aber auch viel Verwaltungsarbeit zu leisten. Zeitungs-, Zeitschriften-, Internet- und Rundfunkredakteure erstellen noch mehr oder weniger oft eigene Beiträge, bei Fernsehredakteuren ist das eher selten. Redakteure sind zumeist fest angestellt.

Die zweite große Gruppe, die der Journalisten, besteht aus denjenigen, die den Redaktionen zuarbeiten, also sich Themen ausdenken, sie anbieten, recherchieren und in Absprache mit der Redaktion daraus Artikel, Hörfunkbeiträge oder Filme erstellen. Diese Journalisten arbeiten in der Regel freiberuflich, wobei die meisten feste Auftraggeber haben, zu denen langjährige Arbeitsbeziehungen bestehen.

Die Arbeit der dritten Gruppe ist etwas anders gelagert. PR-Arbeiter sind bei Firmen, Verbänden und Agenturen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (PR) tätig. Ihre Aufgabe ist es, den Arbeits- bzw. Auftraggeber und dessen Produkte ins rechte Licht zu setzen. Dazu entwickeln diese Journalisten Strategien und Konzepte und setzen sie um. Neben Firmen und Verbänden stellen auch Agenturen solche Fachleute an oder beschäftigen sie als freie Mitarbeiter.

Klassisch: das Volontariat

Wer sich entschließt, in den Journalismus zu gehen, wird feststellen, dass es bis heute keine verbindlichen Ausbildungsvorschriften gibt. Der klassische Weg ist nach wie vor ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit einem anschließenden Volontariat, wobei das Studienfach nicht entscheidend ist. Dieser Ausbildungsweg ist immer dann erforderlich, wenn das Berufsziel eine Festanstellung als Redakteur ist. Für alle anderen bieten sich Journalistenschulen und Studiengänge an.

Erst seit 1990 gibt es feste Vorgaben für ein Volontariat. Sie sehen unter anderem einen zweiwöchigen Grundkurs am Anfang der Ausbildung vor, der einen Überblick über den jeweiligen Verlag bzw. die Rundfunkanstalt und die Abteilungen gibt. Außerdem soll er erste journalistische Grundkenntnisse und einen Einblick in verschiedene journalistische Tätigkeitsbereiche bieten. Im weiteren Verlauf des Volontariats sollen mindestens einmal pro Monat fachspezifische Schulungen stattfinden. Hinzu kommt die überbetriebliche Bildung, die im ersten Jahr vier und im zweiten Jahr zwei Wochen beträgt. Im Mittelpunkt steht natürlich die praktische Ausbildung. Hier hat jeder Volontär Anspruch darauf, mindestens drei Ressorts für jeweils zwei Monate zu durchlaufen. Kann ein Verlag das nicht bieten, muss er diese Ausbildungsstationen bei einem anderen Verleger vermitteln.

Während des Volontariats rückt das Fachwissen des Oecotrophologen zumeist in den Hintergrund. Denn in erster Linie geht es darum, die journalistische "Schreibe" zu lernen, also darum, zu recherchieren, Nachrichten, Berichte, Reportagen zu verfassen, passende Überschriften zu finden, Interviews zu führen. Wer innerhalb weniger Wochen über die Jahreshauptversammlungen von Pudel- und Jagdhundzuchtverein spannend schreiben muss, lernt Journalismus von der Pieke auf.

Alternative: Journalistenschulen und -akademien

Eine gute Alternative zum Volontariat bieten seit vielen Jahren Journalistenschulen. Am bekanntesten sind die Deutsche Journalistenschule in München, die Henri-Nannen-Schule in Hamburg, die Kölner und die Berliner Journalistenschulen. Daneben bilden auch die Evangelische Medienakademie, die Katholische Journalistenschule und das Haus Busch aus. Die Ausbildungsdauer beträgt 15 bis 18 Monate. Neben einer Vollzeit„schule” gibt es auch Seminare und Workshops, bei denen die Grundlagen des Journalismus vermittelt werden. Die Dauer ist sehr unterschiedlich - Wochenendkurse bis mehrere Wochen. Für jemanden, der ganz neu in den Journalismus einsteigen möchte, sind Wochenendkurse eher ungeeignet.

Fast alle genannten Institutionen bieten auch Weiterbildungskurse an. Fortbildung ist - wie bei allen anderen Berufen auch - angesagt. Es ist immer sinnvoll, Gelerntes aufzufrischen, zu aktualisieren und - gerade im Journalismus - auf dem technisch neuesten Stand zu sein. Das heißt nicht, den letzten Schrei an Aufnahmegerät zu besitzen oder mit dem neuesten Programm zur Bildbearbeitung arbeiten zu können, aber zu wissen, dass es existiert und wie es funktioniert.

Zweitstudium

Immer mehr Universitäten bieten Studien- und Aufbaustudiengänge im Bereich Journalismus und neuerdings auch im Wissenschaftsjournalismus an. Die Studiendauer beträgt sechs bis elf Semester, bei den längeren ist ein Volontariat integriert. Wer sich für ein Studium entscheidet, sollte zuvor unbedingt prüfen, wie praxisorientiert es ist. Denn - wie man wissenschaftlich arbeitet, hat man während des Oecotrophologiestudiums gelernt, das muss nicht wiederholt werden. Doch wie man eine Reportage macht, das kann man nicht studieren, das kann man nur üben.

Im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit steht eine Fülle an Ausbildungs- und Studienangeboten zur Verfügung. Ein Teil der bereits genannten Schulen und Akademien bietet auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten an. Eine Bewertung des vielfältigen Bildungsmarktes ist nicht möglich. Der Run auf Ausbildungsplätze im Medienbereich hat auch schwarze Schafe auf den Plan gerufen. Bevor man sich für eine Aus- oder Weiterbildung entscheidet, sollte man sich deshalb bei der Gewerkschaft oder bei den journalistischen Berufsverbänden nach der Seriosität erkundigen.

Allen Ausbildungsmöglichkeiten gemeinsam ist der große Andrang. Wer keine einschlägigen Praktika nachweisen kann, hat kaum eine Chance auf einen der begehrten Plätze. Hinzu kommen strenge Auswahltests, Höchstaltersgrenzen von 24 bis 28 Jahren für die Journalistenschulen, interne Numeri clausi zwischen 1,2 und 1,6 für die Studiengänge. Wer wirklich in den Journalismus will, sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen und es dennoch versuchen. Er sollte gar nicht bis zum Abschluss des Oecotrophologiestudiums warten, um auszuprobieren, ob der Journalismus die berufliche Zukunft sein könnte. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Praktikum in den Semesterferien? Nicht bei einer der großen renommierten Zeitungen, sondern zu Hause bei der Heimatzeitung. Auch da bekommt man einen ersten Eindruck und lernt vielleicht sogar mehr als woanders. Ähnliches gilt für die Pressearbeit. Auch hier gibt ein Praktikum bei einer Agentur oder in Pressestellen von Verbänden oder Firmen eine erste Orientierungshilfe. Ist Journalist  wirklich der zukünftige Traumberuf, kann man dort eventuell als freier Mitarbeiter einsteigen und so als "Seiteneinsteiger" im Journalismus landen. Zusammen mit geeigneten Bildungsangeboten von Journalistenschulen oder -akademien ist auch das ein durchaus realistischer Weg, um als Oecotrophologe im Journalismus Fuß zu fassen.

So unterschiedlich die vielen Wege zum Journalismus sind, sie haben dasselbe Ziel, nämlich das zu vermitteln, was ein Journalist können muss: Er muss Entwicklungen rechtzeitig erkennen und aufgreifen, kundiger Gesprächspartner für Fachleute sein und deren Auskünfte transparent machen. Gleichzeitig braucht er das journalistische Handwerkszeug, zu dem gründliche, fachgerechte Recherche ebenso zählt wie sprachliche Vermittlungsfähigkeit.

Arbeiten als Freier

Nach der Ausbildung ist es theoretisch möglich, sich eine feste Stelle zu suchen. Doch im Medienbereich ist es seit Jahrzehnten üblich, freiberuflich zu arbeiten. Journalisten sind es gewöhnt, ohne die Sicherheit zu leben, die eine Festanstellung zumindest in finanzieller Hinsicht bietet. Doch wie fängt man an? An Ausstattung braucht man nicht viel. Am Anfang genügen ein Computer mit Internetanschluss und ein Telefon. Viel wichtiger als die Ausstattung ist die persönliche Einstellung: Ist genug Eigendisziplin vorhanden, um sich tatsächlich an den Schreibtisch zu setzen, ohne dass ein Chef darüber wacht? Macht es nichts aus, auch zu ungewohnten Zeiten oder am Wochenende - und wenn viel zu tun ist, auch 16 Stunden und mehr pro Tag zu arbeiten? Mindestens ebenso wichtig: Ist man kontaktfreudig, geht man gern auf Menschen zu, kann man Kontakte aufbauen und pflegen? Das heißt, sich bei Redaktionen vorstellen, Themen anbieten und - sobald vorhanden - Arbeitsproben einreichen.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass dies oft ein mühseliges Geschäft ist - und bleibt. Denn selbst wer einen festen Kundenstamm hat, muss immer damit rechnen, dass es beim einen eine Programmreform und beim anderen eine Haushaltssperre gibt. Dann brechen nicht nur fest eingeplante Aufträge und damit Honorare weg, sondern es müssen neue Auftraggeber gesucht werden. Oder besser noch, es sollten Kontakte bestehen, auf die sich in solchen Situationen zurückgreifen lässt. Wie gut oder schlecht der eigene "Laden" läuft, hängt also in hohem Maße von der Eigeninitiative des einzelnen ab. Aber auch davon, wie man das Ganze selbst sieht. Fühlt man sich eher als Künstler oder als Hobbyschreiberling, wird man es schwer haben. Nur wer sich selbst als "Dienstleistungsunternehmen" versteht, wird von seinen Kunden ernst genommen.

Damit hauptberuflich freie Journalisten wenigstens im Hinblick auf Renten und Krankenversicherung abgesichert sind, hat der Gesetzgeber für sie eine Pflichtversicherung angeordnet: die Künstlersozialkasse (KSK). Wie man sich kostengünstig über die KSK versichern lassen kann, erfährt man unter Externer Link, öffnet in neuem Fenster www.kuenstlersozialkasse.de.

Wer sich als freier Journalist selbstständig machen möchte, kann dazu finanzielle Unterstützung vom Arbeitsamt bekommen. Zum Beispiel gibt es Überbrückungsgeld für die Dauer von sechs Monaten. Voraussetzung dafür ist eine positive Stel-lungnahme über die Tragfähigkeit der Existenzgründung. Diese Bescheinigung wird von Industrie- und Handelskammern, Kreditinstituten und Fachverbänden - auch dem VDOE - ausgestellt. Außerdem muss ein Anspruch auf Arbeitslosengeld oder -hilfe bestehen. Die Höhe des Überbrückungsgeldes orientiert sich am Arbeitslosengeld bzw. der Arbeitslosenhilfe. Ganz wichtig: Überbrückungsgeld muss vor der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit beim zuständigen Arbeitsamt beantragt werden. Und - bevor man diese Förderungsmöglichkeit beantragt, sollte man sich unbedingt unabhängig beraten lassen, zum Beispiel von Arbeitsloseninitiativen.

Die Einkommenssituation von freien Journalisten war und ist sehr unterschiedlich. Eine Umfrage des Deutschen Journalistenverbandes von 2003 ergab für Zeitschriftenjournalisten, dass 41 Prozent der freien Journalisten weniger als 20.000 Euro im Jahr verdienen, ein weiteres Drittel maximal 40.000 Euro und nur ein Viertel mehr. Journalisten, die sich auf bestimmte Themengebiete spezialisiert haben, liegen in der Regel im mittleren bis oberen Bereich der genannten Summen. Die Anfangsgehälter für Redakteure bei Tageszeitungen liegen bei 2.700 Euro, die für PRArbeiter bei 3.000 Euro.

Wirtschaftsflaute fordert Opfer

In den letzten zwei Jahren hat sich der Medienmarkt dramatisch verändert. Die Wirtschaftskrise hat zu riesigen Einbrüchen bei den Werbeeinnahmen von Fernsehen, Rundfunk und Printmedien geführt und einen Zusammenbruch des gesamten Marktes ausgelöst. Die Folgen waren Massenentlassungen von Redakteuren und rasant sinkende Preise für die Leistungen freier Mitarbeiter. Auch die PRAgenturen sind von der Krise betroffen. Da die Firmen ihre Budgets für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gekürzt haben, mussten viele Agenturen Mitarbeiter entlassen oder haben Konkurs anmelden müssen. Zwar wird sich der Markt vermutlich irgendwann erholen, aber er wird nie mehr so werden, wie er einmal war.

PR-Arbeiter gefragt

Wohin es genau gehen wird, ist zurzeit nur schwer einzuschätzen. Es sieht aber so aus, als ob PR-Arbeit in Zukunft eine noch größere Rolle spielen wird als bisher. Aus folgendem Grund: Die Medien haben einen großen Teil ihrer Mitarbeiter entlassen, müssen aber nach wie vor Zeitungsseiten und Sendeminuten mit Inhalt füllen. Das bedeutet, die wenigen erbliebenen Mitarbeiter sind immer mehr auf fertig aufbereitete Beiträge angewiesen. PR-Arbeiter, die solche Beiträge liefern, bieten hier Abhilfe. Da die Themen, um die es geht, immer schwieriger und komplexer werden, sind dafür zunehmend Fachleute gefragt.

Eine realistische Einschätzung der derzeitigen Lage und der zukünftigen Entwicklung des Arbeitsmarktes bietet die Arbeitsmarkt-Information "Journalistinnen und Journalisten" der Bundesanstalt für Arbeit. Sie ist im Internet zu finden unter Externer Link, öffnet in neuem Fenster www.arbeitsamt.de. Die Zukunftsaussichten im Journalismus sind also alles andere als berauschend. Doch auch in anderen Bereichen sind die Zeiten vorbei, in denen Studium plus Zusatzausbildung Arbeitssicherheit bedeutete. Das Oecotrophologiestudium zusammen mit einer journalistischen Zusatzausbildung ist auf alle Fälle eine solide Basis und bietet nach wie vor vielfältige Möglichkeiten. Was jeder daraus macht, das liegt am Einzelnen selbst.

Elisabeth Dietz, Köln

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Die Autorin: Elisabeth Dietz

Weitere Informationen

Aus- und Weiterbildungsinstitute

Berliner Journalistenschule:
www.berliner-journalisten-schule.de

Deutsche Journalistenschule München:
www.djs-online.de

Evangelische Medienakademie Berlin:
www.evangelische-medienakademie.de

Haus Busch, Hagen:
www.hausbusch.de

Katholische Journalistenschule, München/Augsburg:
www.kath.de/ifp

Kölner Journalistenschule:
www.koelner
journalistenschule.de

Freie Jounalistenschule:
www.freie-journalistenschule.de

Ausschließlich Weiterbildung
Akademie Bayerische Presse München:
www.akademie-bayerische-presse.de

KLARA – Schule für Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit, Berlin
(setzt das Weiterbildungsprogramm der Henri-Nannen-Schule fort):
http://www.klaraberlin.de/

 

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