Verband der Oecotrophologen e.V. (VDOE)
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Erschienen in der VDOE POSITION 4/2004
Die Einstellungschancen für Lehrer in den öffentlichen Schuldienst werden sich in den nächsten Jahren erheblich verbessern. Bis 2015 besetzen die Schulen bundesweit 371.000 Stellen neu. Eine Chance auch für Diplom-Oecotrophologen?
Die Kultusministerien werben um Lehrkräfte. Die Lücke zwischen vielen altersbedingt ausscheidenden Lehrkräften und nur wenigen nachrückenden Studierenden ist in nächster Zeit so groß, dass sie auch Seiteneinsteigern aus der Wirtschaft den bürokratischen Weg freimacht. Ein weiterer Grund ist der Mangel an Ausbildungsplätzen, der zahlreiche Schulabgänger in vollzeitschulische Bildungsgänge an Berufskollegs treibt. Daher ist der Lehrermangel an beruflichen Schulen besonders groß.
In Nordrhein-Westfalen begannen zum Schuljahr 2004/2005 beispielsweise 5.543 neue Lehrer ihren Dienst. Davon waren 344 keine ausgebildeten Pädagogen. 220 dieser Seiteneinsteiger werden an Berufskollegs unterrichten.
Die Fächer Wirtschaft/Verwaltung/Recht und Ingenieurwissenschaften sind für Seiteneinsteiger am aussichtsreichsten, die Schulen brauchen aber auch Ernährungs- und Haushaltswissenschaften als berufliche Fachrichtung. Die pädagogische Qualifikation müssen solche Diplomierten in der Regel nachholen.
Das Land Rheinland-Pfalz sucht zum Beispiel auch Lehrer für Arbeitslehre an Haupt- und Realschulen (Sekundarstufe I). Neben Technik kann Hauswirtschaft hier ein Schwerpunkt sein.
Andere Länder, andere Sitten
Viele Bundesländer locken mit attraktiven Möglichkeiten für Seiten- oder Quereinsteiger. Die Bezeichnungen für "Bewerber ohne Staatsexamen" sind so unterschiedlich wie die länderspezifischen Schulformen und die Bedingungen des Quereinstiegs. Erschwerend kommt hinzu, dass die Regelungen und Erlasse nur kurze Halbwertszeiten haben.
Um Fachleute mit Berufserfahrung an die Schulen zu locken, erhalten sie vielfach von Anfang an ein volles Gehalt. In bestimmten Mangelfächern wurden auch die Höchstaltersgrenzen für die Verbeamtung angehoben (Beispiel: Nordrhein-Westfalen von 35 auf 45 Jahre). Nach einem berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst von zwei Jahren legen Seiteneinsteiger meist das zweite Staatsexamen ab, erhalten die volle Lehramtsbefähigung und sind damit entsprechenden Lehrern mit Lehramtsstudium und Referendariat gleichgestellt. In anderen Bundesländern oder für Kandidaten mit weniger Berufserfahrung gibt es "Expressstudiengänge" oder den erleichterten Einstieg in das normale Referendariat.
Beispiel Nordrhein-Westfalen
Je nach Mangelsituation sind auch die formalen Voraussetzungen für einen Seiteneinstieg mehr oder weniger anspruchsvoll. Waren in Nordrhein-Westfalen (NRW) beispielsweise zunächst noch vier Jahre Berufserfahrung gefordert, so sind es heute noch zwei Jahre Praxis bei einer Vollzeitstelle, wobei ggf. auch Kinderbetreuungszeiten anrechenbar sind. Das Höchstalter für den Wechsel ins Lehramt beträgt 55 Jahre. Im Zweifelsfall müssen die Bewerber für den Schuldienst deutsche Sprachkenntnisse nachweisen, so zumindest die Anforderungen in NRW.
Die wichtigste Hürde vor der Schullaufbahn ist in NRW zunächst die erste Staatsprüfung für das angestrebte Lehramt oder eine als solche anerkannte Prüfung. Die Anerkennung des Studienabschlusses für ein bestimmtes Lehramt in der Schulform, die sie anstreben, beantragen potenzielle Seiteneinsteiger bei den zuständigen Bezirksregierungen. Neben Ernährungslehre und Hauswirtschaft als berufliche Fachrichtung streben Oecotrophologen eine weitere Lehrbefähigung in einem allgemein bildenden Fach an.
Den berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst kann logischerweise nur antreten, wer eine Stelle an einer Schule vorweisen kann. Der Umfang der Unterrichtstätigkeit muss dabei mindestens die Hälfte der Pflichtstundenzahl (zurzeit 25,5 Unterrichtsstunden pro Woche) umfassen, so die Regelung in NRW. Bei ganzen Stellen befreit die Schule den Seiteneinsteiger für sieben Unterrichtsstunden, damit er am Vorbereitungsdienst (Studienseminar) teilnehmen kann. Dieser dauert in NRW 24 Monate und endet mit der zweiten Staatsprüfung.
Die Schulen dürfen die Bewerber nur einstellen, wenn keine Lehrkraft mit voller Lehrbefähigung (zweite Staatsprüfung) zur Verfügung steht. Seiteneinsteiger erhalten in NRW einen befristeten Arbeitsvertrag als Angestellte Lehrkraft und werden nach Bundes-Angestelltentarifvertrag (BAT) bezahlt. Nur wer den zweijährigen Vorbereitungsdienst und das "Staatsexamen" erfolgreich hinter sich bringt, bekommt eine unbefristete Anstellung und hat eine Chance auf Verbeamtung.
Blindbewerbung lohnt
Während sich "konventionell" ausgebildete Lehrer auch über ein Listenverfahren im ganzen Land (NRW) bewerben, können Seiteneinsteiger dies nur direkt bei der ausschreibenden Schule tun, falls die Stelle für den Quereinstieg geöffnet ist. Vor bestimmten Einstellungszeitpunkten stehen Stellenausschreibungen im Internet. Es kann sich aber lohnen, "blind" bei interessanten Schulen vorzusprechen. Manchmal haben flexible Fachleute eine Chance auf Vertretungsstellen. Schulen in privater Trägerschaft scheinen für Lehrer mit dem Ziel einer herkömmlichen Beamtenkarriere oft weniger attraktiv und bieten Seiteneinsteigern daher unter Umständen mehr Möglichkeiten.
Im zweijährigen Vorbereitungsdienst müssen die Seiteneinsteiger in NRW Unterrichtsbesuche absolvieren. Das sind etwa je sechs Lehrproben in ihren zwei Fächern. Wer keine Hochschulprüfung in Pädagogik vorweisen kann, muss nach spätestens einem Jahr eine erziehungswissenschaftliche Prüfung in Form eines 60-minütigen Kolloquiums ablegen. Die zweite Staatsprüfung besteht dann aus einer schriftlichen Arbeit und je einer Lehrprobe pro Fach inklusive Kolloquium im Anschluss.
Als Streetworker unterwegs
Wer davon träumt, im "bestbezahlten Halbtagsjob der Welt" das hoch geschätzte Fachwissen an motivierte und ehrgeizige junge Menschen weiterzugeben, wird mit Sicherheit enttäuscht werden. Die Fachinhalte des Lehrberufs treten nur allzu oft hinter den Tätigkeiten eines Streetworkers in den Hintergrund. Es gilt, Konflikte zu lösen sowie bei Lern-und Lebensproblemen zu beraten. Bemühungen um gewaltfreie Schulen kommen vor allem an sozialen Brennpunkten nicht von ungefähr. Lehrende müssen vor allem motivieren können und verzichten oft selbst auf jedes Lob.
Das Burnout-Syndrom tritt unter Lehrern häufig auf und führt mitunter zu ernsten Erkrankungen. Gerade am Anfang berichten Seiteneinsteiger von einer Arbeitsbelastung um die 70 Stunden pro Woche. Konferenzen, Klassenarbeiten und die Vorbereitung von Unterrichtsbesuchen ("Lehrproben") verlangen mehr Einsatz als das Unterrichten selbst. Manche Bundesländer überprüfen die persönliche Eignung potenzieller Quereinsteiger mithilfe von Assessment-Centern, in denen diese in Schulen hospitieren und eine Probeunterrichtsstunde halten müssen.
Kandidaten, die Stabilität, Selbstkontrolle und Kontaktbereitschaft zu ihren Stärken zählen, können im Lehrerdasein möglicherweise eine Berufung finden. Eine umfangreiche Darstellung des Berufes und einen Selbsttest über die persönlichen Voraussetzungen gibt es auf der Internetseite
www.cct-germany.de/.
In der Kritik: Didaktik und Methodik
Dass Seiteneinsteiger sowohl fachliche als auch methodische Schwierigkeiten haben, zeigen die Erfahrungen der ersten Qualifikationsmaßnahmen. Viele der Quereinstegier haben sich in den Jahren nach dem Studium so sehr spezialisiert, dass das Fachwissen für die schulischen Lerninhalte nicht mehr ausreicht. Ein Großteil ihrer Arbeitszeit ging daher für das Reaktivieren der fachlichen Kompetenz verloren und fehlte für die didaktisch-methodische Aufbereitung des Stoffes. Ihre Ausbildenden kritisieren "dozierende Aktionsformen" zurecht, sollen die Schüler doch neben der Fach- auch Methoden-, Lern- sowie Human- und Sozialkompetenz erhalten.
Oecotrophologen im Vorteil
Das Studium der Oecotrophologie bietet mit seiner breit angelegten Fächerzusammensetzung und dem Praxisbezug möglicherweise bessere Voraussetzungen als andere Studiengänge. Viele Oecotrophologen können zudem Erfahrungen in Beratung und Erwachsenenbildung aufweisen. Dies ist bei Bewerbungsgesprächen an den einstellenden Schulen natürlich gern gesehen.
Monika Heinis, Herford
Baden-Württemberg
www.bildungsportal-bw.de
Bayern
www.stmuk.bayern.de
Berlin
www.berlin.de/sen/bwf
www.lehrer-werden.de
Brandenburg
www.mbjs.brandenburg.de/
seiteneinsteiger
www.lehrer-werden.de
Bremen
www.bildung.bremen.de
(Seiteneinstieg derzeit nicht möglich)
Hamburg:
http://fhh.hamburg.de
Hessen
www.kultusministerium.
hessen.de
Mecklenburg-Vorpommern
www.mbjs.brandenburg.de/
seiteneinsteiger
Niedersachsen
www.mk.niedersachsen.de
www.nibis.de/
Nordrhein-Westfalen
www.bildungsportal.nrw.de
Rheinland-Pfalz
www.mbfj.rlp.de
Saarland
www.bildungsserver.
saarland.de
Sachsen
marvin.sn.schule.de
www.sachsen-macht-schule.de
Sachsen-Anhalt
www.mk.sachsen-anhalt.de
Thüringen
www.thueringen.de
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