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"Nationaler Aktionsplan" - Richtig gut "IN FORM"?

Erschienen in der VDOE POSITION 3/2008

Endlich ist er da, der "Nationale Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängende Krankheiten" -  kurz "NAP" genannt. Unter dem Motto "IN FORM - Deutschlands Initiative für  gesündere Ernährung und mehr Bewegung" sollen bis zum Jahr 2020 "sichtbare  Erfolge" erzielt werden. Gleichzeitig sollen Gesundheitsförderung und Prävention als  gesellschaftliche Werte verankert werden.

"IN FORM" könnte auch für den Berufsstand der Oecotrophologen viel Positives  bringen. Schließlich sind Oecotrophologen und Diätassistenten wie keine andere  Berufsgruppe zur Konzeption und Durchführung von Präventionsmaßnahmen im Ernährungsbereich prädestiniert. Im Bericht wird  denn auch ausdrücklich auf die ernährungswissenschaftliche Qualifikation als  notwendige Kompetenz für Ernährungsberatung und -bildung hingewiesen.  Damit ist eine wichtige Forderung erfüllt, die der VDOE bereits im Vorfeld im  Rahmen seiner beiden Stellungnahmen eingebracht hat. Dass man in den  beteiligten Ministerien die Notwendigkeit erkannt hat, Qualitätsstandards  hinsichtlich der Anbieterqualifikation zu definieren, verdient die volle  Unterstützung des VDOE.

Noch gibt es viele offene Fragen

Damit sollte der Gefahr vorgebeugt sein, dass für die Umsetzung von  Maßnahmen des anspruchsvollen Planes Kräfte mit mangelnder Qualifikation  herangezogen werden. Auch die von den Ministerien geplanten  Initialmaßnahmen zur Systematisierung der Leistungen im Rahmen der  qualitätsgesicherten Ernährungsberatung und -therapie werden vom VDOE  unterstützt. Sie tragen dazu bei, dass die Transparenz verbessert und somit  deutlich wird, welche Qualitätsstandards hinter Studium bzw. Aus-, Fort- und  Weiterbildung einzelner Anbieter stehen.

Trotz dieser positiven Ansätze lässt der Plan in seiner vorliegenden Form noch  mehr Fragen offen, als er beantwortet:

  • Zwar wird im "NAP" selbst die Bedeutung der Vernetzung der  verschiedensten Akteure als wichtige Voraussetzung für den Erfolg  betont. Wie dies in der Praxis umgesetzt werden soll, bleibt unklar.  Nichts gesagt wird z.B. zur Vernetzung mit Ländern und Kommunen,  ohne die sich eine funktionierende Infrastruktur für die Umsetzung Bereich der Maßnahmen nicht aufbauen lässt. So wird sich z.B. im schulischen ohne Kooperation mit den Ländern wenig bewegen lassen.
  • Apropos Schule: Der Bereich der Schulen wird im "NAP" nur mit recht dürren Vorschlägen bedacht - aus einfachem Grund: Um Konflikten  auszuweichen, setzt "NAP" nur dort an, wo kaum Kompetenzstreit mit den Ländern droht, z.B. bei der Schulverpflegung oder dem aid-Ernährungsführerschein, der in Zukunft stark gefördert werden soll.
  • Letztlich wird der Erfolg der Maßnahmen auch von der Verzahnung und  Vernetzung aller Akteure auf lokaler und regionaler Ebene abhängen. "IN FORM" sagt nichts darüber, wer die Koordination der Aktivitäten auf regionaler Ebene übernehmen soll: Wer z.B. den Aufbau interdisziplinärer Strukturen zwischen Ärzten, Oecotrophologen und Diätassistenten koordiniert, bleibt offen.
  • Am Beispiel  "Ernährungsführerschein" wird jedoch deutlich: Viele "NAP"-Projekte setzen auf den Einsatz von Ehrenamtlichen mit unter Umständen geringer fachlicher Qualifikation. Das spart vielleicht Geld, kann aber den Einsatz fachlich qualifizierter Kräfte genauso wenig ersetzen wie die Vertretung des Arztes durch die Krankenschwester.
  • Die Finanzierung der vorgeschlagenen Initialmaßnahmen ist mit 5 Mio. Euro pro Jahr je Ministerium ausgesprochen dürftig. "Mit derart magersüchtigen Budgets ist nur schwerlich ein sichtbarer Erfolg zu erzielen", erklärt VDOE-Vorsitzende Dr. Andrea Lambeck. Angesichts der Relevanz der Thematik hält sie Budgets in einer Größenordung, wie sie etwa in Großbritannien angelegt werden, für erforderlich. Dort stellt die britische Regierung je Teilprojekt der Initiative "Healthy Weight, Healthy Lives" in den kommendenJahren rund 500 Mio. Euro bereit.

Sinnvollerweise definiert der "NAP" bereits seine künftigen ausführenden Organe - z.B. die Nationale Steuerungsgruppe, verschiedene
Arbeitsgruppen und die Geschäftsstelle. Hier muss der VDOE "am Ball"
bleiben und auf die Beteiligung des Verbandes in den neuen Gremien drängen.
Schließlich ist das aktive Einbringen unserer Argumente der konstruktivste Weg, die Ziele des "NAP" zu konkretisieren und eine Verwässerung der Umsetzung  hinsichtlich Qualifikation und Kompetenz der beteiligten Kräfte zu verhindern.

Hier gibt es den "Nationalen Aktionsplan" als Download:
http://www.bmelv.de/nn_752314/SharedDocs/downloads/03-Ernaehrung/Aufklaerung/Aktionsplan__InForm/Aktionsplan__InForm.html

Stellungnahmen des VDOE finden Sie unter:
http://www.vdoe.de/vdoe-downloads.html

Dr. Friedhelm Mühleib

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