Führung: Coachen statt befehlen

Portät Dr. Torsten Dickau - Leiter der Nestlé Professional GmbH

Foto: © privat

 Erschienen in der VDOE POSITION 4/2011

POSITION: Herr Dickau, Hand aufs Herz, gehen Sie manchmal in die Luft?

Dickau: Ich habe bestimmt einen kleinen cholerischen Zug. In Meetings z. B., wenn viele Leute reden und dabei viel Zeit verschwendet wird – dann schwillt mir schon mal der Hals. Allerdings bin ich kein Mensch, der laut wird. Ich reagiere mit leisen Tönen. Wenn ich ganz leise werde, merken die anderen, dass es gefährlich wird. – Jage ich Ihnen etwa Angst ein?

POSITION: Zum Glück nicht, aber Sie sind nicht nur promovierter Oecotrophologe, sondern auch gelernter Koch, und denen wird gerne eine cholerische Ader unterstellt.

Dickau: Da ist bei dem einen oder anderen Kollegen sicherlich was dran! Aber das hat viel mit dem enormen Stress zu tun, den Köche haben. In meinem Team arbeiten auch einige Köche, aber wir haben eine andere Form von Stress und auch eine andere Form der Zusammenarbeit. Die Küche in der Gastronomie ist traditionell ein hierarchisches System. Da gibt es eine klare Struktur von Befehlenden und Befehlsempfängern. Bei Nestlé arbeiten wir schon lange in eher flachen Hierarchien, z. B. in Projektteams.

POSITION: Jedes Team braucht eine Leitung, und bei NESTLÉ PROFESSIONAL liegt die bei Ihnen. Wie sehen Ihre Führungsprinzipien als „Leiter Service Center und Brandmanagement“ aus?

Dickau: Inzwischen trage ich Personalverantwortung für 18 Mitarbeiter in meiner Abteilung sowie für diverse weitere Mitarbeiter im Außendienst. Dabei funktioniert moderne Führung nicht mehr nach dem Motto: „Du hast jetzt eine Aufgabe und die setzt du bis nächsten Montag um!“ Ich führe meine Mitarbeiter in einer Art von Coaching. Es gibt hier Trainingsprogramme, in denen wir die Mitarbeiter permanent begleiten. Wir verstehen dieses „Training on the Job“ als eine Art von Führung durch Coaching. Nestlé arbeitet mit „Personal-Development-Guides“ – auf deren Grundlage die Mitarbeiter entwickelt werden. Für die Führungskräfte wiederum gibt es Trainings, in denen die nötigen
Fähigkeiten dazu vermittelt werden. Dort habe ich das auch gelernt. Daneben gehört zum Führen in meiner Position in erster Linie auch das Delegieren, Planen, Organisie ren, die Einteilung der Mitarbeiter zu Aufgaben und Projekten und die Kontrolle, ob Projekte richtig gesteuert und geführt werden.

POSITION: Und was konkret delegieren, planen und organisieren Sie?

Dickau: NESTLÉ PROFESSIONAL bedient die Küchen von Restaurants, Unternehmen, Schulen und Krankenhäusern. Da für werden Suppen, Saucen, Beilagen, Brühen und Desserts in verschiedenen Convenience-Stufen entwickelt und angeboten, zusammen mit einem großen Sortiment von Küchenhilfsmitteln wie Würzen, Bindern oder Fonds. Das Service-Center rundet das Produktangebot durch ein umfangreiches Seminarprogramm, praxisnahe Weiterbildung sowie ein Forum für intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch ab. Das Team des Service-Centers wird durch küchenfachliche Berater, Oecotrophologen und Diätassistentinnen unterstützt. Die Arbeit hier macht Spaß, jeden Tag aufs Neue! Das hat auch damit zu tun, dass es so viele tolle und immer wieder neue, unterschiedliche Aufgaben gibt, die hier zu lösen sind.

POSITION: Ihre Kochlehre haben Sie mit Erfolg in einem Toprestaurant absolviert. Was hat Sie bewogen, dann doch noch akademische Ehren zu suchen?

Dickau: Zum einen waren die Arbeitszeiten in der Gastronomie brutal: 12 Tage arbeiten, 2 Tage frei, dann wieder 12 Tage arbeiten. Da brechen nach und nach die privaten Kontakte weg. Du lebst nur noch mit den Leuten im Arbeitsumfeld. Nicht nur deshalb, habe ich großen Respekt vor Köchen. Bei mir kam der Wunsch auf, noch einmal etwas anderes zu machen – zu studieren: Dabei war mir allerdings klar: Die Lehre sollte nicht umsonst gewesen sein – und so kam die Oecotrophologie ins Spiel.

POSITION: Haben Sie im Berufsleben von dieser Kombination profitiert?

Dickau: Ja, ganz sicher. Zu den Kunden von NESTLÉ PROFESSIONAL zählen z. B. viele Köche. Um deren Sprache und Bedürfnisse in der Praxis zu verstehen, ist die Ausbildung als Koch für mich von immensem Vorteil. Als Akademiker ohne Praxis würde ich von denen gar nicht ernst genommen. Das ist einfach so: Köche lassen Küchentheoretiker gerne auflaufen.

Das Interview führte Dr. Friedhelm Mühleib

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Zur Person

Position: Leiter Service Center und Brandmanagement der NESTLÉ PROFESSIONAL GmbH

Arbeitgeber: NESTLÉ PROFESSIONAL GmbH

Ausbildung: Diplom Oecotrophologe

Mehr Infos zum Unternehmen: www.nestleprofessional.de

 

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