Politik als Beruf

Portät Heike Friedrich-Hölscher

 Erschienen in der VDOE POSITION 3/2008

Wie kommt eine Oecotrophologin zur Politik?
Ich bin dazu gekommen, weil ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Bereits meine vorherige Tätigkeit bei der Agrarsozialen Gesellschaft bewegte sich im politischen Raum. So lag die Schwelle, eine Arbeit in einem Abgeordnetenbüro im Bundestag aufzunehmen, für mich relativ niedrig.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Meine Aufgaben als wissenschaftliche Mitarbeiterin sind eng an die parlamentarische Arbeit des Abgeordneten gekoppelt. Mein Chef z.B. ist Mitglied des „Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“. Er fungiert dort als Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion für die Themen Ernährung, Fahrgastrechte und Senioren. Meine Aufgabe ist es, fachliche Basisarbeit für diese Themen zu leisten. Dazu gehören die selbstständige Recherche und Aufbereitung von Materialien für die Berichterstattung im Ausschuss, das Verfassen von Redebeiträgen oder die Formulierung von Anträgen. Ganz wichtig ist die Pflege von Kontakten zu den einschlägigen Ressorts in den Ministerien, aber auch zu anderen politischen Institutionen und Interessenverbänden. Öffentlichkeitsarbeit und das Beantworten von Bürgeranfragen gehören ebenfalls zu meinen Aufgaben. Die alltägliche Herausforderung besteht darin, komplexe Sachverhalte auf ein vermittelbares Niveau zu bringen, ohne dass wichtige Inhalte auf der Strecke bleiben, und gleichzeitig den bestmöglichen Überblick in der täglichen Informationsflut zu behalten. Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, ist eine der verantwortungsvollsten Aufgaben. Der Abgeordnete muss sich darauf verlassen können, dass sein Büro stets in seinem Sinne agiert. Das ist eine absolute Vertrauenssache.

Was muss eine Oecotrophologin mitbringen, wenn sie in die Politik will?
Die Kunst besteht darin, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Schreiben sollte einem leicht fallen. Auch eine Affinität zu den politischen Positionen der jeweiligen Partei ist wohl selbstverständlich. Wenn das „Handwerkszeug“ erst einmal beherrscht wird, funktioniert das parlamentarische Arbeiten auch unabhängig von oecotrophologischen Themen. Das muss es auch, weil es keinen Abgeordneten gibt, der sich ausschließlich auf Dauer nur mit einem Themenkomplex beschäftigt. Wechselt derAbgeordnete z.B. seinen Ausschuss, kann es durchaus sein, dass sich die Oecotrophologin plötzlich mit Zuarbeit für den Verkehrsausschuss beschäftigen muss.

Fehlt Ihnen in Ihrer täglichen Arbeit nicht der Bezug zur Materie, zu den Lebensmitteln?
Nein. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, was ich in meiner Zeit als Köchin leisten musste und zu welchen Löhnen. Von meinen Kochkenntnissen profitieren heute mein Mann, meine zwei Söhne, Freunde und Verwandte. Das ist viel schöner, als mit dieser Tätigkeit sein Geld verdienen zu müssen.
Sehen Sie einen Arbeitsmarkt für Oecotrophologen in der Politik?
Ich würde mich natürlich freuen, mehr Kolleginnen in meinem Arbeitsumfeld vorzufinden. Die Stellenkapazitäten für typisch oecotrophologische Themenbereiche sind allerdings schnell erschöpft. Viel wichtiger ist es, dass Oecotrophologen vehement daran arbeiten, politisch stärker wahrgenommen zu werden. Hierzu leiste ich meinen Beitrag, indem ich mich dafür einsetze, dass der VDOE zu Anhörungen und Expertengesprächen in den Bundestag geladen wird.

Das Gespräch führte Maria Hufnagl

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Interviwe mit: Heike Friedrich-Hölscher

 

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