Kompetenzorientiertes Lernen

Beim Netzwerktreffen in Fulda beschäftigen sich die Teilnehmer aus dem VDOE-Netzwerk Bildung mit der Zukunft des Lernens.

Erschienen in der VDOE-Position 2|13

Zum ersten Treffen seit seiner Gründung im Juli 2012 fanden sich Netzwerkmitglieder und Interessierte beim VDOE-Netzwerk Bildung am 15. März 2013 in Fulda ein. Der Erfahrungsaustausch stand dabei unter dem Thema „Kompetenzorientiertes Lehren und Lernen“.

In den Räumen der Hochschule Fulda führte Frau Prof. Kohlenberg-Müller vom Fachbereich Oecotrophologie mit einem Impulsreferat in das Thema „Kompetenzorientiertes Lehren und Lernen“ ein. Bei ihren Ausführungen berief sie sich auf ihre Erfahrungen in der Entwicklung und Etablierung neuer Studiengänge im Bachelor-Master-System des Fachbereichs. Anhand praktischer Beispiele aus ihrer Tätigkeit als Studiengangsleiterin (Public Health Nutrition) veranschaulichte sie die Potenziale des Konzeptes der Kompetenzorientierung in der Hochschullehre, das auf andere Lehrsituationen und Bildungssettings übertragen werden kann. Zu Beginn verdeutlichte die Definition des Terminus „Kompetenz“ die Dimen sion hinter dem Begriff der Kompetenzorientierung – inmitten einer Fülle von Definitionen ist die Definition nach WEINERT weithin akzeptiert und gleichzeitig wohl die bekannteste: „Kompetenzen sind kognitive Fähigkeiten und Fertig keiten, über die Personen verfügen oder die sie erlernen können, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen er folgreich und verantwortlich
zu nutzen.“

AKTIVER LERNPROZESS STATT WISSENSKONSUM
Der Bologna-Prozess hat jedoch nicht nur das Bildungsvokabular sondern vielmehr das Verständnis von Studium, Lehre und Lernen verändert und neue Prämissen hervorgebracht. So ist heute von einem „shift from teaching to learning“ die Rede, der sowohl an Studierende als auch Lehrende neue Anforderungen stellt. Bei Studierenden soll statt eines reinen „Wissenskonsums“ ein aktiver und selbstständiger Lernprozess gefördert werden. Lehrende verstehen sich nicht als Wissensvermittler, sondern vielmehr als Lernbegleiter. Basis der Kompetenzorientierung ist dabei das Stufenmodell der Kompetenzentwicklung nach Wildt. Ein weiteres Paradigma der Lehre lautet „Learning Outcomes als Maßstab der Qualität an Hochschulen“. Dieser Perspektivwechsel vom Fokus auf (Wissens-)Input zum „Learning Outcome“ erfordert eine genaue Benennung der Qualifikationsziele für die Lernenden. Die Taxonomie der Prüfungs ziele nach Bloom kann den Lehrenden dabei Orientierung bieten. Die konkrete Formulierung von Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, die Resultat einer Lehreinheit sein sollen, können mangelnde Reflektion und eine alleinige Fokussierung auf den Prüfungserfolg bei den Lernenden vermindern. Klarheit und Transparenz erhöhen die Motivation, so die einfache Formel.

PRÜFUNGEN MÜSSEN ANGEPASST WERDEN
Allerdings erfordert kompetenzorientiertes Lehren und Lernen auch eine Anpassung der Prüfungsmodi. Die Erfahrungen der Teilnehmerinnen bestätigten, dass hierin gerade im Hochschulbereich aufgrund gesetzlicher Auflagen, hoher Studierendenzahlen oder Auslastung des Personals häufig die größten Hürden bestehen. Um tatsächlich Kompetenz, also eine umfassende Handlungsfähigkeit der Lernenden, prüfen und bewerten zu können, sind kleinteilige Bewertungsschemata erforderlich, die verschiedene Kompetenzbereiche betrachten. In Kleingruppen konnten die Teilnehmer Inhalte des Einstiegsreferates für sich reflektieren und über Anwendungsmöglichkeiten im jeweils eigenen beruflichen Alltag diskutieren. Die Netzwerkmitglieder wollen auch zukünftig die Themen Kompetenzorientierung und Kompetenzbewertung nicht aus dem Auge verlieren. Beim Netzwerktreffen 2014 soll zudem das Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in den Fokus rücken. Neben den Organisatorinnen des VDOE, Gabi Börries (VDOE Vorstand) und Christine Kalthoff (VDOE Referentin), waren Oecotropholog(inn)en aus den verschiedenen Bildungsbereichen angereist, von der Hochschule über die berufliche Bildung und Weiterbildung bis zur Erwachsenenbildung und Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Mareike Bröcheler

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