"Kaffeesieren" bei Kellogg

Erschienen in der VDOE-Position 2|14

Das diesjährige Treffen des VDOE-Wirtschafts-Netzwerks führte die Teilnehmer am 3. und 4. April nach Bremen. Für das Thema „Die neue Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) – zwischen Transparenz und Datenüberfluss“ interessierten sich sowohl Netzwerk-Mitglieder als auch derzeitige Nichtmitglieder. Und so diskutierten über 30 Teilnehmer aus Unternehmen, Institutionen, Verbänden und PR-Agenturen in den Räumen des Gastgebers und multinationalen Konzerns Kellogg Deutschland GmbH.

Die altehrwürdige Hansestadt Bremen bildete die Kulisse für das Treffen des VDOE Wirtschafts-Netzwerks
Die altehrwürdige Hansestadt Bremen bildete die Kulisse für das Treffen des VDOE Wirtschafts-Netzwerks Anfang April, bei dem es um die neue Lebensmittelinformationsverordnung ging. Foto: Astrid Donalies

Am Vorabend nutzten bereits viele Wirtschafts-Netzwerker die Gelegenheit, einander und Bremen bei einem geführten Stadtrundgang kennenzulernen. Hier wurde deutlich, dass die Bremer Kaufmannsgilde schon immer großen Wert auf Genuss und gute Lebensmittel gelegt hat. Am Ende des Rundgangs durch den mittelalterlichen Stadtkern wartete das Slow- Food-Restaurant „Jon Luk“ mit „kreativer Heimatküche“ auf uns, wo ein Überraschungsmenü die perfekte Grundlage für angeregte Gespräche bot.

Am nächsten Tag wurden die Teilnehmer von Kellog-Pressesprecherin Birgit Lüdemann begrüßt. Sie gab einen kurzen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Firma Kellogg und stellte dabei auch das soziale Engagement des Unternehmens durch die W. K. Kellogg Stiftung heraus. Im Anschluss an das „Kaffeesieren“, wie der Bremer Volksmund das gemeinsame Kaffeetrinken nennt, gab Antje Preußker vom BLL einen Überblick über die 45 Seiten starke EU-Verordnung. Neben einigen bereits feststehenden Neuerungen wie der vorgeschriebenen Schriftgröße und der verpflichtenden Nährwertkennzeichnung wurde deutlich, dass nach wie vor viele Einzelheiten zur praktischen Umsetzung der Verordnung nicht geregelt sind. An praktischen Beispielen zeigte Verena Opitz von der Kellogg Deutschland GmbH auf, welche Herausforderungen es mit sich bringt, die LMIV mit den firmeninternen Standards bis zum Stichtag am 14. Dezember 2014 in Einklang zu bringen. Viele Details sind ungeklärt und viele Entscheidungen noch offen. So wartet die gesamte Branche gespannt auf eine umsetzbare Aussage zu der Herkunftsangabe bei der primären Zutat. Nach der Mittagspause zeigte Gertraud Huisinga von der Verbraucherzentrale Bremen die Wünsche der Verbraucher nach mehr bzw. eindeutigen Informationen auf. Neben einigen begrüßenswerten Aspekten der neuen LMIV kritisierte Huisinga, dass die Verordnung an anderen Punkten wie z.B. der Kennzeichnung von Imitaten, der Angabe einer realistischeren Portionsgröße oder der nach wie vor fehlenden Ampelkennzeichnung auch aus Sicht der Verbraucherzentralen Nachbesserungsbedarf aufweist.

Nachbesserungsbedarf einer eher anderen Art sah wiederum Brit Schulz-Lahmann von der Dussmann Service Deutschland GmbH. An praktischen Beispielen zeigte sie, vor welche Schwierigkeiten die Umsetzung der LMIV die Gemeinschaftsverpflegung (GV) stellt. So lässt sich etwa die Allergenkennzeichnung aufgrund der komplexen Prozesse in einer Großküche nur schwer händeln. Der „Koch als Künstler“ dürfte zumindest in der GV künftig ausgedient haben, da jeder Arbeitsschritt standardisiert und rückverfolgbar sein muss. Zudem dürften kleine Handwerksbetriebe wie Bäcker oder Metzger als Lieferanten für die GV künftig wohl kaum noch eine Rolle spielen, da sie die hohen Auflagen nur schwer erfüllen können. Dr. Richard Joachim Lehmann von GS1 Germany ging im letzten Vortrag darauf ein, wie die LMIV den Fernabsatz beeinflussen wird und wie man derzeit nach einer praktikablen Lösung für die Implementierung der Verordnung im Onlinehandel sucht.

Die lebhafte Diskussion während der gesamten Veranstaltung verdeutlichte u. a. auch den Konflikt zwischen der geforderten Transparenz für Verbraucher und dem geforderten Datenüberfluss, mit dem viele Unternehmen nun zu kämpfen haben. Zwischen den Fachvorträgen gab es auch in diesem Jahr Zeit zu persönlichem Netzwerken und zu fachlichem Austausch. Das Treffen in der Hansestadt Bremen lieferte wichtige Impulse, die die Diskussion im Netzwerk hoffentlich noch lange beleben werden. Dr. Annegret Auinger, Claudia Diekmeier und Madlen Stimming übernehmen auch im kommenden Jahr die Leitung des Wirtschafts-Netzwerks.

Dr. Annegret Auinger

Madlen Stimming

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