Diabetes-Netzwerktreffen 2013 in Berlin

Diabetes und Essstörungen

Erschienen in der VDOE-Position 01/2014

Am 14. November war es wieder so weit: Parallel zur Herbsttagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft trafen sich die Mitglieder des Diabetes-Netzwerkes in den Reinhardtshöfen in Berlin zum Austausch. Das diesjährige Treffen stand unter dem Motto „Diabetes und Essstörungen“.

Dita Angermann, Oecotrophologin in der Schönklinik Bad Bramstedt, berichtete von ihrer Arbeit mit Patienten mit Essstörungen, die zeitgleich auch an Diabetes erkrankt sind. Ein häufiges Problem ist, so Astrid Tombek, Oecotrophologin in der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim, dass die Patienten mit Diabetes und Essstörung in Spezialkliniken für Diabetes keine ausreichende Behandlung der Essstörung bekommen. Umgekehrt wird in den Spezialkliniken für Essstörungen der Diabetes als störend empfunden. So werden diese Patienten oft hin und her geschoben. Eine Behandlung der beiden Erkran kungen sollte jedoch möglichst parallel und aus einer Hand erfolgen. Eine rein ambulante Behandlung ist kaum möglich. Ein multiprofessionelles Setting und eine intensive, zunächst tägliche Betreuung sind dabei für den Behandlungserfolg sehr wichtig. In den Schulungen in der Schönklinik, so Dita Angermann, wird inzwischen ein Schwerpunkt darauf gelegt, dass Patienten lernen, ihre Emotionen auszudrücken.

Andreas Schmitt, Diplom-Psychologe an der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim, beschrieb die verschiedenen Krankheitsbilder, die unter dem Sammelbegriff „Essstörungen“ zusammengefasst werden, und erläuterte die jeweilige Codierung. Dabei betonte er, dass die Übergänge zwischen den Essstörungen fließend sein können, und fasste folgende Gemeinsamkeiten zusammen:

  • Geringes Selbstwertgefühl, Selbstunsicherheit
  • Negatives Körperbild
  • Verzerrte Selbstwahrnehmung
  • Perfektionistisches Streben
  • Die Themen „Essen“ und „Körper“ dominieren das Denken
  • Nahrungsrestriktion wird als positive Selbstkontrolle erlebt, Nahrungsaufnahme führt zu Scham, Schuld, Selbstekel
  • Psychologisch progressiver Verlauf
  • In der Folge treten meist weitere psychische Störungen auf
  • Geringe Spontanerholungsrate


Er wies in diesem Zusammenhang insbesondere auch auf die Problematik hin, dass Diabetes eine Erkrankung ist, deren Therapie ebenfalls viele Kontrollstrategien beinhalten muss. Abschließend machte Andreas Schmitt noch auf einen alarmierenden Trend aufmerksam: Es gibt inzwischen eine antipsychiatrische Bewegung, die den Standpunkt vertritt, Magersucht sei ein Lebensstil und keine Erkrankung. Astrid Tombek stellte in ihrem Vortrag verschiedene Fallbeispiele vor, wobei die Beschreibung der gravierenden Folgen von zwei Erkrankungen im Vordergrund stand. Patienten mit Essstörung und Diabetes Typ 1 erkranken häufig an einer peripheren und autonomen Neuropathie. Oft sind Schmerzen und Fußwunden die Folge. Häufig kommen auch Verdauungsstörungen durch die autonome Neuropathie hinzu, selbst wenn die Essstörung als ausgeheilt gilt. Des Weiteren erleiden viele Patienten eine Nephropathie und eine Retinopathie. In vielen Fällen sind Erblindung und Dialyse die Folge. Daher ihr dringender Appell: Diabetes und Essstörungen müssen beide gleichzeitig behandelt werden – wenn nicht, kann sich die Prognose dramatisch verschlechtern, wie Astrid Tombek an zwei Fallbeispielen deutlich machte, bei denen die Patienten verstarben.

Dr. Astrid Tombek

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