Vertrauen und Glaubwürdigkeit

Einige Teilnehmerinnen beim Rundgang durch die beeindruckende, erst wenige Jahre alte Deutschlandzentrale von Unilever.

Erschienen in der VDOE-Position 2|13

Ernährungsindustrie zwischen veröffentlichter Meinung und Verbraucherinteressen“ – so lautete das Thema des 3. Treffens des Netzwerks Wirtschaft. Knapp 30 Personen waren der Einladung nach Hamburg gefolgt. Die Anstöße aus Sicht der Ernährungsindustrie, der PR-Agenturen und der Verbraucher leiteten zahlreiche Diskussionen ein. Das Netzwerk erhält ein neues Leitungsteam.

Die Organisatorinnen des Treffens Sandra Ganzenmüller und Dr. Irmtrud Wagner hatten sich richtig entschieden: Das Thema war hochaktuell und brisant. War in der Vergangenheit zu nächst monatlich etwa ein Skandal um Lebensmittel in der Presse, verkürzte sich die Rate auf gefühlt wöchentlich. Aber nicht der Betrug oder eine Überschreitung von Grenzwerten, sondern die für die Bevölkerung tatsächlich wahrnehmbare Beurteilung in der Presse sollte beim Netzwerktreffen behandelt werden. Auch hier sind Oecotrophologen, Haushalts- und Ernährungswissenschaftler in Unternehmen, im und in der Verbraucherberatung gefordert. Dementsprechend war der Tagungsraum im Unileverhaus in der Hafencity Hamburgs bis auf den letzten Platz gefüllt. Ute Altenhain von Unilever bot zum Einstieg mit der Case-Study zu „Becel pro.activ“ einen aktuellen Einblick in die Kommunikation zwischen NGO, Medien und Fachwelt. Ihr Fazit: Ein Großteil der in der Öffentlichkeit verbreiteten Meldungen geht an wissenschaftlich belegten Fakten vorbei.
Für den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) stellte Manon Struck-Pacyna heraus, dass die von der Lebensmittelwirtschaft versorgten 80 Millionen Deutschen einer Untersuchung zufolge zwar die Qualität der Lebensmittel wahrnehmen. Die Industrie selbst würde allerdings oft mit Täuschungen in Verbindung gesetzt. Diesen Widerspruch gelte es in Zukunft durch mehr Transparenz und verstärkte Aufklärungsarbeit über die moderne Lebensmittelproduktion aufzulösen. Iris Löhlein von :relations brachte das Dilemma der PR auf den Punkt: „Die Story ist der Traum der PR-Leute, und Journalisten wachen darüber, dass er nicht in Erfüllung geht.“ Anhand einer von Dorle Grünewald-Funk entliehenen Dastellung skizzierte sie das Denkschmema vieler Journalisten, in dem der Verbraucher das vor der Industrie zu schützende Opfer sei. Entsprechend gering ist oft die Bereitschaft, Informationen von Unternehmen wahrzunehmen bzw. sich damit auseinanderzusetzen. Daraus erwächst die Aufgabe der Kommunikation: Gesprächsebenen finden und glaubwürdig kommunizieren.

ETIKETTENSCHWINDEL SCHADET
Die Sichtweise der Verbraucher wurde von Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg vertreten. Das fehlende Vertrauen in die Lebensmittelindustrie wundert sie nicht. Sie zeigte viele Beispiele von Etikettenschwindel sowie Werbeaussagen, die den üblich gebildeten Verbraucher ein anderes Produkt erwarten lassen. Doch auch aus ihrer Sicht verhalten sich auch die Konsumenten teilweise inkonsequent, indem der Preis ein primär relevantes Kaufkriterium bleibt. Fazit der Verbraucherschützerin: Die Industrie wird an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie sich einer Reform der Lebensmittelkennzeichnung nicht verweigert. Die Gespräche und Diskussionen beim Treffen zeigten deutlich, wie das Netzwerk den Erwartungen der Mitglieder und Interessierten entspricht. Der Wunsch nach fachlichem Austausch stellte sich als das häufigste Motiv für die Teilnahme am Treffen heraus. Viele Pausen in dem für Kommunikation und Zusammenkommen optimierten Gebäude ermöglichten die Kontaktaufnahme. Formuliert wurde zu dem das Interesse am Dialog mit anderen Netzwerken im VDOE. Hintergrund hierfür ist das immer wieder geäußerte Misstrauen gegenüber „der Industrie“. Die Mitglieder des Netzwerks Wirtschaft sprachen sich für Veranstaltungen mit an deren Netzwerken aus, um den Austausch zu ermöglichen und Vorbehalte abzubauen. Schließlich bedankte sich die Runde herzlich bei Sandra Ganzenmüller, Silke Lammers und Dr. Irmtrud Wagner – den Netzwerkverantwortlichen der letzten zwei Jahre. Sie haben das Netzwerk mit viel Engagement durch die Gründungsphase geführt. Claudia Diekmeier, Madlen Stimming und Annegret Auinger haben sich bereit erklärt, das Netzwerk in der nächsten Zeit zu leiten.

Tobias Formanski

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