Die Wechseljahre markieren einen Zeitraum physiologischer und psychologischer Veränderungen und gehen mit einem erhöhten Risiko für Gewichtszunahme sowie metabolischen Folgeerkrankungen einher. Neben den häufigen Wechseljahresbeschwerden wie beispielsweise Hitzewallungen oder Schlafproblemen erleben Frauen häufig eine Gewichtszunahme trotz gleichbleibender Ernährung sowie eine veränderte Körperzusammensetzung. Studien zeigen, dass Frauen im Durchschnitt zwischen 0,5 kg bis 1,5 kg/Jahr von der Perimenopause bis hin zur Menopause zunehmen.
Durch Übergewicht ist das Risiko für chronische Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sowie für bestimmte Krebserkrankungen erhöht. Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen die häufigste Todesursache bei Frauen nach der Menopause dar. Das metabolische Syndrom findet sich häufiger bei Frauen nach der Menopause. Die sinkenden Östrogenspiegel stehen in Zusammenhang mit einer Zunahme des viszeralen Bauchfetts. Der Zusammenhang zwischen der Gewichtszunahme und den Wechseljahren ist in der Literatur noch nicht final geklärt. Während einige Studien einen altersbedingt reduzierten Energiebedarf, veränderte Ernährungsgewohnheiten, geringere körperliche Aktivität sowie psychosoziale Einflussfaktoren als Ursachen betrachten, heben andere insbesondere die Bedeutung hormoneller Veränderungen hervor.
Frauen erleben in dieser Phase tiefgreifende Veränderungen und haben gleichzeitig häufig das Gefühl, nicht ausreichend unterstützt zu werden. Auch in der Prävention sind die Wechseljahre kaum ein Thema. Ernährungstherapeutische Unterstützung erhalten Frauen häufig erst, wenn Erkrankungen oder Mangelzustände bereits vorliegen.
Diese Versorgungslücke war der Ausgangspunkt der vorliegenden Bachelorthesis der Autorin. Ziel war es, das Ernährungsverhalten, klimakterische Beschwerden und Gewichtsveränderungen von Frauen in den Wechseljahren zu beschreiben, Zusammenhänge zwischen diesen Variablen zu prüfen, Bedarfe für präventive Ernährungsangebote abzuleiten und darauf aufbauend ein Präventionskonzept zu entwickeln.
Studiendesign: Online-Befragung mit 240 Frauen
Im Juli 2025 wurde eine quantitative Online-Befragung durchgeführt. Nach Datenbereinigung flossen n = 240 Frauen im Alter von 40 bis 60 Jahren in die Analyse ein (Durchschnittsalter 49,3 Jahre; mittlerer BMI 25,0). Der standardisierte Fragebogen erfasste Ernährungsgewohnheiten, Gewichtsveränderungen und Wechseljahresbeschwerden; klimakterische Symptome wurden auf Basis des validierten Menopause Rating Scale (MRS) erhoben. Die Auswertung erfolgte mit SPSS – deskriptiv sowie inferenzstatistisch (Korrelation, t-Test, ANOVA, Chi-Quadrat).
Ernährungsverhalten: Wissen vorhanden, Umsetzung lückenhaft
Obst und Gemüse wurden von rund 70 Prozent der Frauen täglich verzehrt. Allerdings gaben nur 33 Prozent der Frauen an, täglich Nüsse zu essen, lediglich 31,3 Prozent konsumieren täglich Vollkornprodukte, und phytoöstrogenreiche Lebensmittel, wie Sojaprodukte oder Leinsamen, die in den Wechseljahren besonders günstig sind, wurden nur selten verzehrt (nur 9,6 % aßen sie täglich). Die Frauen schätzten ihre Ernährung im Mittel mit 6,8 von 10 als eher gesund ein.
Als häufigster Hinderungsgrund für eine gesündere Ernährung wurde Zeitmangel genannt (47,1 %), gefolgt von der Angabe, dass keine Hinderungsgründe für gesunde Ernährung bestünden (25,8 %). 19,6 Prozent nannten Familienmitglieder/Partner*innen als Hinderungsgründe. Für die Praxis von Ernährungsfachkräften bedeutet das: weniger Wissensvermittlung, mehr alltagstaugliche Umsetzungsstrategien.
Stress-Essen als unterschätztes Risiko
Den höchsten Mittelwert bei Veränderungen im Essverhalten seit Beginn der Wechseljahre erzielte die Aussage, häufiger aus Stress oder Frust zu essen, gefolgt von gesteigertem Appetit auf Süßes. Studien zeigen, dass rund 40 Prozent aller Menschen auf Stress mit Hyperphagie reagieren – für diese Gruppe ist emotionales Essen ein reales Übergewichtsrisiko. Ernährungsberatung für Frauen in den Wechseljahren braucht daher auch eine Berücksichtigung verhaltensorientierter Bausteine: Stressmanagement, Emotionsregulation, Schlafhygiene.
Beschwerden und Gewicht: Was die Daten zeigen
Die häufigsten Beschwerden (siehe Abbildung 1) waren urogenitale Symptome (65,7 %), Gelenkbeschwerden (51,7 %), vasomotorische Symptome (49,4 %) und psychologische Beschwerden (43 %). Mehr als die Hälfte der Frauen berichtete von einer Gewichtszunahme generell; 75,9 Prozent der Frauen in den Wechseljahren gaben eine Zunahme des Bauchumfangs an – eine Verschiebung zu viszeralem Fettgewebe mit entsprechendem kardiometabolischem Risiko.
Eine zentrale Hypothese der Studie ließ sich statistisch nicht bestätigen: Ein höherer BMI ging nicht zwingend mit stärkeren Wechseljahresbeschwerden einher. Wechseljahresbeschwerden trafen in der Studie schlanke und übergewichtige Frauen gleichermaßen (siehe Abbildung 2).
Der Beratungsbedarf ist groß
Mehr als die Hälfte der Frauen zeigte Interesse an entsprechenden Präventionsangeboten (siehe Abbildung 3). Mit 36,6 Prozent war der Bedarf besonders ausgeprägt in der frühen Perimenopause (40 bis 45 Jahre). Das Präventionsinteresse war unabhängig von BMI und Beschwerdeintensität: Frauen wünschen sich eine frühzeitige Unterstützung.
Als gefragte Themen nannten die Frauen: Nährstoffbedarf in den Wechseljahren (65,4 %), wechseljahresfreundliche Rezepte (51,2 %), Rolle von Supplementen (50,4 %), Zusammenhang Wechseljahre und Gewicht (49,2 %). Allgemeine Ernährungsempfehlungen dagegen wurden selten genannt – Frauen wünschen spezifisches Wissen.
Gleichzeitig fühlten sich die Befragten in allen abgefragten Themenbereichen nur mäßig informiert. Am wenigsten bekannt waren bestehende Präventionskurse. In der Studie zeigte sich: Nicht das Interesse fehlt, sondern entsprechende Angebote.
Die Versorgungslücke
Bei der Suche in den Kursportalen der gesetzlichen Krankenkassen nach ZPP-zertifizierten Online-Angeboten im Handlungsfeld Ernährung für Frauen in den Wechseljahren fanden sich keine Treffer. Für Präsenzkurse gab es nur vereinzelte Angebote. Das Thema existiert im GKV-Versorgungssystem kaum – obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache bei Frauen nach der Menopause sind, das metabolische Syndrom in dieser Phase signifikant häufiger auftritt und die Evidenz für eine ernährungsbasierte Prävention bekannt ist.
Auch im betrieblichen Kontext bleibt das Thema unsichtbar: Laut einer Befragung der HWR Berlin (2023) nennt etwa die Hälfte von 2.119 befragten Frauen die Wechseljahre als Tabuthema am Arbeitsplatz – ein Drittel war deshalb krankgeschrieben oder nahm unbezahlten Urlaub. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, auch für die Betriebliche Gesundheitsförderung.
Was die Ergebnisse für uns Ernährungsfachkräfte bedeuten
Für Ernährungsfachkräfte zeigen sich im Wesentlichen vier Schlussfolgerungen für Beratung, Gesundheitsförderung und Prävention:
- Früh ansprechen. Der Beratungsbedarf ist in der frühen Perimenopause am größten. Frauen zwischen 40 und 45 Jahren gilt es anzusprechen und zu sensibilisieren, bevor sich Beschwerden manifestieren.
- Verhaltensorientiert denken. Ernährungswissen allein reicht nicht. Stress-Essen, emotionale Essauslöser und fehlende Alltagsroutinen sind reale Barrieren, die Präventionsangebote adressieren müssen.
- Mehr pflanzliche Lebensmittel in den Speiseplan einbauen. Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte und phytoöstrogenreiche Lebensmittel werden wenig verzehrt – hier liegt eine konkrete Beratungsaufgabe der Ernährungsfachkräfte.
- Politisch mitdenken. Als Ernährungsfachkräfte können wir die Themen Wechseljahre und Frauengesundheit sichtbar machen.
Fazit: Eine Lebensphase verdient Aufmerksamkeit
240 Frauen haben gezeigt: Der Bedarf ist groß, das Interesse ist da, das Wissen fehlt – und die Versorgungsstrukturen noch mehr. Wechseljahre sind keine Erkrankung, aber eine Lebensphase, in der Ernährung nachweislich wirken kann. Wir als Ernährungsfachkräfte können die Frauen unterstützen und helfen, diese Lücke zu schließen.
Quellen:
- British Menopause Society. (2023). Nutrition and Weight Gain. Verfügbar unter: https://thebms.org.uk/wp-content/uploads/2023/06/19-BMS-TfC-Menopause-Nutrition-and-Weight-Gain-JUNE2023-A.pdf
- Fenton, A. (2021). Weight, Shape, and Body Composition Changes at Menopause. Journal of Mid-Life Health, 12(3), 187–192. https://doi.org/10.4103/jmh.jmh_123_21
- Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. (2023). MenoSupport: Wechseljahresbeschwerden am Arbeitsplatz. Zugriff am 21.09.2025. Verfügbar unter: https://www.hwr-berlin.de/aktuelles/neuigkeit/detail/3731-menosupport-wechseljahresbeschwerden-am-arbeitsplatz
- Renz, C.: Gesunde Ernährung in den Wechseljahren: Entwicklung eines Präventionskonzeptes zur Reduktion und Vermeidung von Übergewicht unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse [Bachelorarbeit, SRH Fernhochschule – The Mobile University]. Thesis Commons. https://doi.org/10.31237/osf.io/8zdy5_v1
- Silva, T. R. [Thais R.], Oppermann, K., Reis, F. M. & Spritzer, P. M. (2021). Nutrition in Menopausal Women: A Narrative Review. Nutrients, 13(7). https://doi.org/10.3390/nu13072149
- Siusiuka, V. H., Vizir, V. A., Serhienko, M. Y., Demidenko, O. V. & Deinichenko, O. V. (2024). Perimenopause period and menopause: cardiovascular and metabolic risks. Zaporozhye Medical Journal, 26(5), 424–429. https://doi.org/10.14739/2310-1210.2024.5.303438