Planen Paare eine Schwangerschaft, kommen bei ihnen viele Fragen auf: Wird es mit dem Kinderwunsch so funktionieren, wie sie es sich wünschen? Verläuft sie dann ohne Komplikationen? Und – werden wir ein gesundes Kind bekommen? Besteht bei den zukünftigen Eltern eine chronische Erkrankung wie die Zöliakie, kommen etliche weitere Überlegungen hinzu. Die häufigsten Themen werden im folgenden Beitrag näher beleuchtet.
Beeinflusst Zöliakie die Fertilität?
Die Frage, ob eine Schwangerschaft überhaupt eintritt, beschäftigt viele Paare heutzutage. Denn es gibt eine Vielzahl an Gründen, warum der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht. Daher ist es durchaus verständlich, dass man sich als Betroffene einer Krankheit wie Zöliakie, die auf so viele Bereiche des Körpers Einfluss nehmen kann, dazu Gedanken macht. In Studien zeichnete sich länger ab, dass Unfruchtbarkeit eine mögliche Auswirkung der unbehandelten Zöliakie sein könnte. Aktuelle Untersuchungen und Übersichtsarbeiten aus Kanada (1) und Schweden (2) konnten das mit weiteren Studien allerdings nicht bestätigen. So fand sich nicht überdurchschnittlich häufig eine Zöliakie bei Frauen, bei denen keine Schwangerschaft eingetreten und keine andere Ursache zu finden war. Das lässt darauf schließen, dass eine zuvor unerkannte Zöliakie nicht der ausschlaggebende Punkt war.
In der deutschen Zöliakie-Leitlinie (3) wird Infertilität mit der Empfehlung „sollte“ auf Zöliakie untersucht werden, wenn keine andere Ursache dafür gefunden werden kann, eingestuft. Daraus ergibt sich zwar keine zwingende Indikation, aber es handelt sich dabei durchaus um eine starke Empfehlung. Daher kann eine Zöliakie-Antikörperuntersuchung bei der Abklärung einer Infertilität durchaus eingesetzt werden. Frauen, die ein erhöhtes Risiko haben, an Zöliakie zu erkranken und bisher nicht darauf untersucht wurden, sollte vor einer geplanten Schwangerschaft eine Zöliakie-Diagnostik angeboten werden. Damit soll verhindert werden, dass eine Frau mit unbehandelter Zöliakie schwanger wird und es dadurch zu Komplikationen kommt.
Unter glutenfreier Ernährung ist davon auszugehen, dass die Zöliakie für das mögliche Eintreten einer Schwangerschaft keinen negativen Einfluss hat.
Können bei Zöliakie Schwangerschaftskomplikationen eintreten?
Es ist tatsächlich wünschenswert, dass sich die Zöliakie-Antikörper vor einer geplanten Schwangerschaft normalisiert haben. Denn bei einer unbehandelten Zöliakie werden durchaus häufiger Fehl- und Frühgeburten beobachtet. Das hat sich auch in verschiedenen Studien (4) bestätigt. Des Weiteren kann die Zöliakie auf die intrauterine Wachstumsentwicklung des Babys negative Auswirkungen nehmen. So werden vermehrt zu kleine oder zu leichte Kinder von Frauen mit nicht behandelter Zöliakie geboren. Bei diätetisch gut behandelter Zöliakie liegt die Häufigkeit für diese Schwangerschaftskomplikationen im Bereich dessen, was auch für andere Schwangerschaften zu erwarten ist. Da sich eine Schwangerschaft nicht immer planen lässt, tritt diese auch oft ein, bevor sich die Werte erholt haben. In diesen Fällen wäre eine gute Überwachung der kindlichen Entwicklung und das Achten auf mögliche Zeichen einer Fehl- oder Frühgeburt sinnvoll.
Was ist hinsichtlich Diätfehlern während einer Schwangerschaft bei einer Zöliakie-Betroffenen zu beachten?
Aus dem vorherigen Abschnitt lässt sich auch gut ableiten, dass häufige oder gar regelmäßige Diätfehler während einer Schwangerschaft besonders zu vermeiden sind. Vor bewusstem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel sollte mit Verweis auf die Auswirkungen auf das ungeborene Kind unbedingt abgeraten werden. Bewusste Nachlässigkeit hat meist eine Häufung von Diätfehlern zur Folge. Dadurch wird auch die Entzündungs- und Immunreaktion an der Dünndarmschleimhaut immer wieder aktiviert und damit das gesamte Krankheitsgeschehen in Gang gehalten.
Bei der Beratung einer schwangeren Zöliakie-Patientin oder besser noch vor Eintritt einer Schwangerschaft sollte daher nochmal explizit auf mögliche Glutenfehlerquellen geachtet und in der Beratung besprochen werden. Ein einzelner Diätfehler hat keinen negativen Einfluss auf das ungeborene Kind – hier kann eine schwangere Zöliakie-Patientin beruhigt werden. Bei Unsicherheiten in der Umsetzung der glutenfreien Ernährung ist eine engmaschige Beratung und Unterstützung der Schwangeren sinnvoll.
Welche Nährstoffdefizite sollten vor und während der Schwangerschaft bei Zöliakie kontrolliert werden?
Ein weiterer Grund, dass eine Zöliakie-Betroffene nicht unbedingt mit Diagnosestellung schwanger werden sollte, sind mögliche Nährstoffdefizite durch die Mukosaatrophie, die sich nachteilig auf das Kind, aber auch auf den mütterlichen Körper auswirken können. Mit Planung einer Schwangerschaft sollte bekanntlich bereits 6 bis 8 Wochen vorher bei allen Frauen eine Ergänzung mit einem Folsäurepräparat begonnen werden, um eine Spina bifida zu verhindern. Folsäuremangel ist ein häufiges Problem bei Zöliakie sowohl vor als auch manchmal unter der glutenfreien Diät. Daher sollte angeregt werden, einen Folsäurespiegel bestimmen zu lassen, um sicher zu sein, dass ein übliches Supplement ausreichend ist. Ähnliches gilt auch für das Vitamin B12, das bei vielen Betroffenen vermindert sein kann und für die Entwicklung von Gehirn und Nerven wichtig ist.
Ein besonders häufiges und daher unbedingt zu beachtendes Defizit bei Zöliakie betrifft die Eisenversorgung. Ein Eisenmangel führt in einer Schwangerschaft besonders häufig zu einer Anämie. Das ist aus dem Grund wichtig zu beobachten, dass die Blutarmut das Risiko für eine Früh- oder Mangelgeburt erhöht. Der Eisenstoffwechsel sollte mittels Testung des Ferritinwertes besonders gut im Auge behalten werden. Das hat den Vorteil gegenüber dem üblicherweise untersuchten Hämoglobin (Hb)-Wert, dass man den Mangel früher erkennen und substituieren kann, wenn der Ferritinwert in Richtung der unteren Norm bzw. darunter absinkt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Ferritin ab dem vierten Schwangerschaftsmonat üblicherweise niedriger liegt, da der Eisenbedarf ab diesem Zeitpunkt deutlich ansteigt. Das wäre auch für die Empfehlungen zu Ernährung und Supplementierung zu berücksichtigen. Zink, Calcium und Vitamin D sind weitere Werte, die beachtet werden sollten, um ein optimales Wachstum des Kindes zu unterstützen.
Wie kann nun eine Ernährungsfachkraft eine Zöliakie-Betroffene in der Schwangerschaft besonders unterstützen?
Hier sind insbesondere zwei Schwerpunkte zu benennen, die sich im Grunde nicht von der allgemeinen Beratung bei Zöliakie unterscheiden und die man einfach mit einer ausgewogenen und strikt glutenfreien Ernährung umschreiben kann. Denn zum einen ist es für den Verlauf der Schwangerschaft hinsichtlich möglicher Komplikationen wie Früh- oder Fehlgeburtlichkeit, aber auch einer regelrechten Entwicklung des ungeborenen Kindes von besonderer Bedeutung, dass die glutenfreie Ernährung gut und fehlerfrei umgesetzt wird. Wenn der Kontakt zwischen Patientin und Beratung schon vor dem Eintritt der Schwangerschaft besteht, ist dies die beste Ausgangssituation. Dann kann die Beratung darauf abzielen, mögliche Unsicherheiten in der Umsetzung der Ernährung aufzuarbeiten. Andererseits können Nährstoffdefizite erkannt und die Ernährung so angepasst werden, dass eine optimale Versorgung vorhanden ist. Bei höherem Bedarf durch Malabsorption und Schwangerschaft wäre eine engmaschige Zusammenarbeit mit Gynäkolog*in und Hausärzt*in wünschenswert, um Supplemente zeitnah und in adäquater Dosierung zu ergänzen.
Literatur:
- Unexplained Infertility and Undiagnosed Celiac Disease: Study of a Multiethnic Canadian Population. Gunn B, Murphy KE, Greenblatt EM. J Obstet Gynaecol Can. 2018
- The prevalence of celiac disease in women with infertility-A systematic review with meta-analysis. Glimberg I, Haggård L, Lebwohl B, Green PHR, Ludvigsson JF. Reprod Med Biol. 2021
- Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Felber J, Bläker H, Fischbach W, Koletzko S, Laaß M, Lachmann N, Lorenz P, Lynen P, Reese I, Scherf K, Schuppan D, Schumann M, Aust D, Baas S, Beisel S, de Laffolie J, Duba E, Holtmeier W, Lange L, Loddenkemper C, Moog G, Rath T, Roeb E, Rubin D, Stein J, Török H, Zopf Y. Z Gastroenterol. 2022
- The influence of celiac disease on fertility and pregnancy: an Italian survey. Arcieri M et al. Arch Gynecol Obstet 2024