VDOEregional Bonn trifft sich zum Vortrag “Ernährung in der Palliativmedizin”

VDOEregional Bonn trifft sich zum Vortrag “Ernährung in der Palliativmedizin”
© Eyecatcher mediendesign

Verfasst von Jasmin Dürr, Leiterin von VDOEregional Bonn, und Dr. Maike Groeneveld

 

„Auch in der letzten Lebensphase eines Menschen können Ernährungsfachkräfte noch viel zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.“ Das war das Resümee des Vortrags von Dr. Maike Groeneveld, den sie Ende November für die VDOEregional-Gruppe in Bonn hielt. Zu Gast war die Gruppe in den Räumlichkeiten der DGE.

 

Maike Groeneveld beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit dem Themengebiet Palliativmedizin. Sie ist Mitherausgeberin des ersten deutschsprachigen Fachbuchs „Praxishandbuch Ernährung in der Palliativmedizin“, das 2025 im Elsevier Verlag erschien. Außerdem ist sie Mitbegründerin und Sprecherin der Sektion Ernährung in der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Die Gruppe aus etwa 15 aktiven Ernährungsfachkräften hat u.a. eine Handreichung zum Thema „Freiwilliger Verzicht auf Essen und Trinken“ sowie verschiedene Materialien wie eine Essbiografie und Genussampel erstellt. Alle Materialien sind zum kostenlosen Download auf den Internetseiten der Sektion Ernährung erhältlich: https://www.dgpalliativmedizin.de/sektionen/sektion-ernaehrung

 

In der Palliativmedizin/Palliativversorgung geht es um die umfassende Betreuung von Menschen mit unheilbaren und fortschreitenden Erkrankungen. Eine „palliative Haltung“ bedeutet, die Patient*innen ganzheitlich wahrzunehmen, Angehörige mit einzubeziehen, Sterben und Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren und pflegerisch, psychosozial und auch spirituell zu begleiten. Dies kann im Hospiz, in der Klinik, in einer Pflegeeinrichtung oder auch Zuhause geschehen.

 

Im Zentrum ist auf einem Tisch ein Gerät, der verbundene Schlauch führt in ein Trinkglas mit Saft, oberhalb vom Saft ist Schaum.
© privat

Oberste Ziele der Ernährungstherapie sind die Verbesserung der Lebensqualität der Patient*innen und die Linderung ihrer Beschwerden. Die palliative Erkrankung kann über Jahre stabil bleiben, z.B. beim metastasierten Brustkrebs mit einer durchaus akzeptablen Lebensqualität. In einer frühen Phase ihrer palliativen Erkrankung profitieren viele Patient*innen von einem frühzeitigen Ernährungsscreening und von der Prävention bzw. Therapie einer Mangelernährung. Schreitet die Krankheit voran, verliert die bedarfsdeckende Ernährung an Bedeutung. Bei einer geschätzten Lebenszeit von wenigen Monaten sollte der Nutzen einer enteralen oder parenteralen Ernährung regelmäßig überprüft werden. Unter Umständen kann die künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr die Lebensqualität beeinträchtigen, z. B. durch eine übermäßige Sekretbildung, Übelkeit, Durchfälle oder vermehrte Schmerzen durch Sonden oder Zugänge. Eine schwerkranke Person soll in den letzten Lebenswochen bzw. -tagen nur noch das essen, was sie wirklich mag, und so viel, wie sie möchte. Ernährungsfachkräfte können dabei unterstützen, individuelle Genussmomente auf der Basis essbiografischer Prägungen zu ermöglichen. Oft sind es einfach zu erfüllende Wünsche, die große Freude auslösen wie ein Erdbeereis oder ein Sekt-Schaum.

Schäume sind eine einfache Möglichkeit der basalen Stimulation. Maike Groeneveld führte uns vor, wie aus nahezu jeder Flüssigkeit mit Hilfe eines Emulgators und einer Durchlüfter-Pumpe ein Schaum hergestellt werden kann. Wir konnten eine Geschmacksprobe nehmen und erlebten wie durch die große Oberfläche der Bläschen ein intensives Geschmackserlebnis ausgelöst wurde. Die Mengen sind dabei so gering, dass kein Schlucken erforderlich ist.