Dr. Insa Deeken, Geschäftsführerin des Studierendenwerks Siegen AöR

Dr. Insa Deeken, Geschäftsführerin des Studierendenwerks Siegen AöR
© pexels

Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?

Aktiv, aufmerksam und verlässlich – aber jemanden auf drei Worte zu reduzieren, ist für mich wie einen Kuchen nur auf Mehl, Zucker und Butter zu reduzieren: Den echten Geschmack kriegt man so nicht mit. 

Wie gestaltet sich Ihr beruflicher Werdegang? Welches waren und sind wichtige Stationen in Ihrem Leben?

Nach meiner Promotion habe ich mich ganz bewusst für einen beruflichen Einstieg entschieden, der mir ein hohes Maß an Praxiserfahrung ermöglichen sollte. In meiner Tätigkeit als Assistentin des Verwaltungsdirektors einer Rehabilitationsklinik konnte ich umfassende Einblicke in operative, organisatorische und strategische Abläufe gewinnen und diesen Anspruch sehr gut erfüllen. 

 

Diese Erfahrung bildete eine solide Grundlage für die anschließende Übernahme der Leitung der Vorsorgeklinik Mutter-Kind am Timmendorfer Strand, in der ich erstmals umfassende Verantwortung für Personal, Organisation und wirtschaftliche Steuerung getragen habe. 

 

Der Wechsel in die Position der Bereichsleitung für Kinder, Jugend und Familie beim Caritasverband stellte den nächsten konsequenten Entwicklungsschritt dar, da hier nicht mehr eine einzelne Einrichtung, sondern mehrere Kindertagesstätten, Familienzentren, Angebote der sozialpädagogischen Familienhilfe sowie verschiedene Projekte strategisch und operativ zu steuern waren. 

 

Seit 2023 leite ich das Studierendenwerk Siegen. Mit dieser Aufgabe verbinde ich den Anspruch, größere finanzielle Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig die Dienstleistungen für Studierende in Siegen aktiv weiterzuentwickeln – mit dem Ziel, möglichst viele Studierende im ohnehin bereits stressigen Studienalltag spürbar zu entlasten und ihre Studienzeit sinnvoll zu bereichern.

Wussten Sie schon immer, dass Sie das machen wollten, was sie heute machen?

Zu Beginn meines Studiums hatte ich noch keine klare Vorstellung von meinem späteren Beruf. Mir war jedoch sehr bewusst, welche Tätigkeiten ich nicht ausüben wollte. Mit jedem Praktikum, das ich absolvierte, wurde deutlicher, was mir Freude bereitet und was nicht. Eine klassische Tätigkeit in der Ernährungsberatung kam für mich dabei nie infrage. 

 

Frau mit kinnlangen braunen Haaren, trägt eine Brille ein rotes Oberteil und einen schwarzen Blazer. Sie lächelt in die Kamera.
Dr. Insa Deeken, © Martina Goyert

Mein beruflicher Weg hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Mit jeder Station wurde klarer, was ich gerne tue und was mich wirklich erfüllt: Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Prozesse aktiv mitzugestalten. Die Gestaltung der Rahmenbedingungen für soziale Dienste und Einrichtungen erwies sich als ein Arbeitsfeld, das mir besonders gut gefallen hat und in dem ich mich sehr wohlgefühlt habe. Daraufhin habe ich meinen beruflichen Fokus gezielt in diese Richtung ausgerichtet. 

Was mögen/schätzen Sie in Ihrem Beruf am meisten?

Besonders reizvoll finde ich es, Rahmenbedingungen – also Prozesse und Strukturen – für soziale Dienstleistungen zu entwickeln, zu hinterfragen und zu verbessern, damit sich diese in ihrem Kern bestmöglich entfalten können. Dabei sehe ich es als großen Vorteil, nicht selbst die Fachfrau für die jeweilige Dienstleistung zu sein, sondern unterschiedliche Fachperspektiven einzubeziehen, zu reflektieren und in übergeordnete Konzepte zu übersetzen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Berufsgruppen habe ich immer als besonders bereichernd empfunden. 

 

Stets vor dem Hintergrund, der jeweiligen Zielgruppe einen möglichst großen Mehrwert zu bieten, geht es mir darum, unter gegebenen Umständen kurzfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig strategische Ziele zu definieren, Weiterentwicklungen anzustoßen. 

Was würden Sie Studierenden Ihres Fachbereiches gerne als Tipp mit auf den Weg geben?

Bleiben Sie neugierig und offen für unterschiedliche Meinungen, Sichtweisen und Wege. Nehmen Sie sich aus allem das mit, was sich für Sie stimmig anfühlt, und entwickeln Sie daraus Ihre eigene Haltung – mit Herzblut und Überzeugung. 

 

Sammeln Sie so viele praktische Erfahrungen wie möglich. Nicht für den Lebenslauf, sondern für Ihren eigenen Horizont. 

 

Und vor allem: Glauben Sie an sich. Ihr Wert hängt nicht von Likes auf Instagram oder der Anzahl Ihrer TikTok-Videos ab. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl und darauf, was Sie wirklich glücklich macht – am Ende ist genau das entscheidend. 

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