Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?
Empathisch, humorvoll und manchmal ein bisschen hektisch… so würde ich mich selbst wohl beschreiben.
Wie gestaltet sich Ihr beruflicher Werdegang? Welches waren und sind wichtige Stationen in Ihrem Leben?
Nach meinem abgebrochenen Medizinstudium – mir fehlte einfach der Kontakt zu Patient*innen, wie ich im Praktikum gemerkt habe – habe ich mich relativ schnell für ein Studium der Ökotrophologie entschieden und bin im schönen Bonn gelandet. Die Interdisziplinarität dieser Wissenschaft hat mich sofort begeistert.
Meine Diplomarbeit habe ich bei Prof. Stehle über eine gemeinsame Studie mit der Uni Paderborn (UPB) geschrieben – der Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Als dann nach meinem Abschluss, während meiner Zeit in Italien, eine Stellenausschreibung der UPB auftauchte, habe ich kurzerhand meine Zelte abgebrochen, mich beworben und die Stelle bekommen. Wie sich herausstellte, war das genau die richtige Entscheidung. Die Arbeit an der Uni, mein Promotionsprojekt und vor allem die Lehrtätigkeit haben mir sehr gut gefallen. Zwischendurch durfte ich Fachartikel für die Ernährungs Umschau schreiben, was meinen fachlichen Horizont immer wieder erweitert hat. Nachdem ich mich von Befristung zu Befristung gehangelt habe, nach der Geburt unserer Zwillinge und zwei beruflichen Intermezzi – eines in einer Paderborner Klinik und eines in einer Medical Writing Agentur in Bonn – bin ich schließlich zurück an die Unigekommen. Dank des Engagements meiner Chef*innen bin ich heute als Studienrätin im Hochschuldienst entfristet. Wer hätte das Anfangs gedacht? Nun kann ich mich fast vollständig der Lehre, den Studierenden und allem, was dazugehört, widmen – und genau das macht mir große Freude.
Wussten Sie schon immer, dass Sie das machen wollten, was sie heute machen?
Nein 😉 Das ist glaube ich selten. Als Kind wollte ich erst Zirkusdirektorin und Tierärztin werden, dann Ärztin. Nach dem Abbruch des Medizinstudiums war dann erst mal klar: Ernährungswissenschaften – ja, das macht echt Freude. Und das mit der Stelle an der Uni hat sich irgendwie einfach “so ergeben”. In den ersten Jahren wurde mir aber schnell klar, dass das universitäre Umfeld mit seinen vielfältigen Aufgaben und unterschiedlichen Persönlichkeiten genau das ist, was ich will. Da der Kontakt zu und die Arbeit mit Menschen aller Art für mich so wichtig sind, habe ich mich nebenberuflich immer wieder weitergebildet – und vieles davon kommt mir heute in meinem Job zugute.
Was mögen/schätzen Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Ich schätze die flachen Hierarchien – nach meiner Zeit im Krankenhaus noch mehr als vorher – , die vielen verschiedenen Menschen in der AG, am Institut, in der Studierendenschaft und der gesamten Uni. Ich schätze, dass ich mich in der Lehre frei entfalten und eigene Ideen umsetzen kann und die Wertschätzung meiner Kolleg*innen und Chef*innen (ich habe zwei). Auch der Kontakt zur ernährungswissenschaftlichen und didaktischen Forschung in der AG bereichert mich sehr. Und nicht zuletzt: Wenn die Kids mal krank sind oder die Schule spontan schließt, kann ich die beiden mitnehmen und mit ihnen zusammen die Uni unsicher machen. Das geht sicher nicht in jedem beruflichen Umfeld!
Was würden Sie Studierenden Ihres Fachbereiches gerne als Tipp mit auf den Weg geben?
Legt euch nicht zu früh fest 🙂 Lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr euch mal etwas verloren und ratlos fühlt. Seid offen dafür, was das Leben euch an Ideen und Chancen gibt. Das klingt jetzt vielleicht etwas romantisiert, aber auch ich habe einige Umwege (beruflich wie privat) genommen, um da zu landen, wo ich jetzt bin und wo ich mich wohl und wirksam fühle. Und all’ die Umwege und Rückschläge lassen mich das umso deutlicher erkennen. Danke an alle, die den Weg mitgegangen sind.