Oecotrophologie und Nachhaltigkeit – Ein Interview mit Corinna Dürr und Gabriela Freitag-Ziegler

Oecotrophologie und Nachhaltigkeit – Ein Interview mit Corinna Dürr und Gabriela Freitag-Ziegler
© Privat (Corinna Dürr & Gabriela Freitag-Ziegler)

Corinna Dürr studierte Haushalts- und Ernährungswissenschaften in Gießen. Sie arbeitete bereits in verschiedenen Bereichen der Öffentlichkeitsarbeit und Politik. Seit über 25 Jahren macht sie mit ihrer Agentur Foodkomm PR zum Anbeißen und schreibt Texte, die schmecken. Als Vegetarierin möchte sie es auch anderen schmackhaft machen, mehr Pflanzen auf den Teller zu bringen.

 

Gabriela Freitag-Ziegler ist Diplom-Oecotrophologin und arbeitet seit über zwanzig Jahren freiberuflich als Texterin und PR-Beraterin. Gesundes und nachhaltiges Essen bedeutet für sie nicht Verzicht, sondern Gewinn. Diese Überzeugung steckt hinter ihrer Arbeit, mit der sie Menschen für eine klimafreundliche Ernährung begeistern möchte.

 

Beide engagieren sich ehrenamtlich für das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Wir haben sie dazu interviewt.

Wie sind Sie zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz gekommen?

Corinna: Schon im Studium in Gießen haben wir im Arbeitskreis „Vollwerternährung“ die Ernährung ganzheitlich, global und nachhaltig betrachtet. Mit Vortragsreihen und Lobbyarbeit konnten wir die Professur für Ernährungsökologie erreichen. Heute engagiere ich mich politisch für Nachhaltigkeit und Demokratie und ackere in meinem naturnahen Garten für mehr Biodiversität. Zusammen setzen Gabi und ich uns im Projekt „My Friday“ für mehr Klimaschutz ein.

 

Gabi: Ich arbeite freiberuflich viel für das Bundeszentrum für Ernährung, in den letzten Jahren vor allem für das Referat Ernährung und Klima. Für mich ist das großartig, denn ich bin schon lange überzeugt, dass Klimaschutz nicht irgendein Thema von vielen ist, sondern DAS Thema schlechthin. Darum geht es auch oft in meiner Arbeit für andere Kunden oder in den Beiträgen auf meinem Blog.

Wo sehen Sie Schnittstellen der Oecotrophologie zum Klimaschutz?

Corinna: Da die Ernährung für etwa 30 Prozent der Treibhausgase verantwortlich ist, ist sie ein wichtiger Hebel, um etwas gegen die Klimakrise zu tun. Oecotropholog*innen können gut über die Bedeutung der Ernährung für das Klima informieren und Orientierung bieten, welche die wirklich relevanten Klimahebel beim Essen sind. Der größte ist eine pflanzenbetonte Ernährung, die natürlich gerne auch vegetarisch oder vegan sein kann, aber nicht muss, und weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Auch saisonal, regional und bio zu essen, trägt zum Klimaschutz bei.

Wie können Ernährungsfachkräfte konkret zum Klimaschutz beitragen?

Gabi: Ernährungsfachkräfte arbeiten ja in den unterschiedlichsten Bereichen und können sich dort überall für eine klimafreundliche Ernährung einsetzen: in Unternehmen für die Entwicklung und Vermarktung von Lebensmitteln, die Klima und Umwelt schonen und auch noch gesund und lecker sind; in der Gemeinschaftsverpflegung für die Umsetzung der DGE-Qualitätsstandards. Sie können in der Bildung und Ernährungsberatung Menschen verständlich machen, was nachhaltig und gesund essen bedeutet und wie sie das konkret und mit wenig Aufwand in ihrem Alltag hinbekommen – zum Beispiel beim Einkaufen, Selberkochen oder Essengehen.

Wo befinden sich aktuell die größten Hürden, um Ernährung nachhaltiger zu machen?

Corinna: Viele Menschen möchten ihre Essgewohnheiten nicht ändern. Sie setzen auf vertrauten Geschmack und sind teilweise nicht sehr offen für Neues. Pflanzenbetonter zu essen, wird oft als Verzichtsnarrativ geframed und dann manchmal strikt abgelehnt. Oft sind tierische Lebensmittel auch leichter verfügbar oder kosten weniger als pflanzliche oder Alternativprodukte. Hier brauchen wir endlich nachhaltige Ernährungsumgebungen, aber noch mangelt es am politischen Willen, der aktuell sogar wieder zurückzugehen scheint.

Was sind Ihre Handlungsempfehlungen für den Alltag, um den eigenen Fußabdruck zu reduzieren und Handabdruck zu nutzen?

Gabi: Dazu könnte man als erstes mit speziellen Rechnern im Internet oder Apps den eigenen CO2-Fußabdruck bestimmen. So finde ich heraus, wo ich mit meinem Essverhalten stehe und was ich verbessern kann: Mehr Hülsenfrüchte statt Fleisch essen zum Beispiel. Motiviere ich andere, das auch zu tun, nutze ich meinen Handabdruck. Zum Beispiel, wenn ich mir vegetarische Essensspenden zu meinem Party-Buffet wünsche oder ein veganes Catering bestelle.

 

Ich persönlich nutze meinen Handabdruck, indem ich außerdem über solche Themen schreibe. Das macht mir am meisten Spaß und fällt mir leicht. Wer sich auch im Job oder darüber hinaus für Klimaschutz engagieren möchte, sollte sich überlegen: Was liegt mir am Herzen und worin bin ich gut? Ein nächster Schritt könnte sein, eine passende Organisation oder Initiative zu suchen und dort mitzumachen.  In der eigenen Stadt oder Gemeinde bei „echten“ Treffen oder über Online-Netzwerke. Viele Möglichkeiten bieten lokale Gruppen wie Ernährungsräte, Foodsharing, Gemeinschaftsgärten oder Solidarische Landwirtschaften. Oder man engagiert sich digital. Viele Communities und Kampagnen sind dankbar für jede Hilfe, etwa wenn Wissen geteilt oder Aktionen unterstützt werden.

 

Wer gerne schreibt oder Lust hat, guten Content für Social Media zu erstellen, kann auch bei unserem Projekt „My Friday“ mitmachen. Wir freuen uns über alle, die uns ehrenamtlich helfen, unsere vielen Ideen in die Tat umzusetzen.

My Friday möchte Klimaschutz zum Breitensport machen. Dazu bietet die Website wichtige Hintergrundinformationen, und der Newsletter liefert jeden Freitag einen Impuls, den man sofort umsetzen kann, um Schritt für Schritt etwas zu verändern. Angefangen bei den wirksamen Hebeln für den eigenen CO2-Fußabdruck bis hin zu Handabdruck-Maßnahmen, die andere Menschen mitnehmen und dadurch das System verändern.

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