Wissen weitergeben mit Leidenschaft: 30 Jahre Referentin im Weiterbildungsprogramm

Wissen weitergeben mit Leidenschaft: 30 Jahre Referentin im Weiterbildungsprogramm
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Seit drei Jahrzehnten prägt Dr. Maike Groeneveld als Referentin unser VDOE-Weiterbildungsprogramm: Mit fachlicher Expertise, einem Gespür für aktuelle Themen und die Interessen unserer Teilnehmenden bereichert sie die Angebote des VDOE nun bereits seit 30 Jahren. Ihr erstes Seminar hielt sie am 18. und 19. Oktober 1996 unter dem Titel “Praxisnahe Gesundheitsförderung”. Seither führte sie mit wenigen Unterbrechungen bis heute ein bis drei Seminare pro Jahr durch. In diesem Jahr sind es demnach bereits über 40 VDOE-Seminare. Inhaltlich bewies sie dabei stets Flexibilität und Weitblick: Neben aktuellen Ernährungstrends wie Low Carb oder veganer Ernährung widmete sie sich immer wieder neuen fachlichen Entwicklungen. Ein zentrales Schwerpunktthema ist die Darmgesundheit. Seit einigen Jahren widmet sie sich vor allem als Fachautorin dem wichtigen Thema Ernährung in der Palliativmedizin.

 

Anlässlich des besonderen Jubiläums möchten wir nicht nur auf ihren Werdegang zurückblicken, sondern auch die Person hinter der Referentinnentätigkeit näher kennenlernen – ihre Motivation, ihre Entwicklung und das, was sie bis heute antreibt.

Seit 30 Jahren sind Sie als Referentin für den VDOE tätig – was hat Sie damals dazu bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen?

Nach Abschluss meines Studiums war ich in der Erwachsenenbildung tätig und habe berufsbegleitend das Fach Erwachsenenbildung studiert. Das hat mich motiviert, für Berufskolleg*innen ein Fortbildungsangebot zu entwickeln. Ich bin gestartet mit dem Thema „Gesundheitsförderung“. Mir ging es um einen mehrdimensionalen Ansatz. Das ist heute selbstverständlich, damals war das noch nicht etabliert.

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Tätigkeit als Referentin im Rahmen des VDOE-Weiterbildungsprogramms?

Der Kontakt und Austausch mit den Kolleg*innen liegt mir besonders am Herzen. Ich schätze es, wenn die Seminarteilnehmer*innen ihre Erfahrungen einbringen und wir gemeinsam mögliche Lösungen für knifflige Ernährungsprobleme entwickeln. Es gibt heute leider nur noch die Online-Formate, aber den direkten Kontakt in Präsenzseminaren habe ich als lebendiger und eindrucksvoller erlebt. 

Wenn Sie auf Ihre Anfänge zurückblicken: Wie hat sich die Ernährungsberatung in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt?

Ich beobachte eine enorme Professionalisierung. Das strukturierte Vorgehen nach dem G-NCP ist ein erheblicher Fortschritt für die Sicherung der Qualität unserer Tätigkeit. Zudem wird der Beratungsprozess dadurch transparenter, auch für Außenstehende. Gleichzeitig ermöglicht diese Vorgehensweise die Vergleichbarkeit der Ergebnisse im Rahmen von wissenschaftlichen Studien zur Evidenz. Auch das Zertifizierungsverfahren ist auf dem Weg zu mehr Transparenz und Sichtbarkeit. Dass Patient*innen jetzt viele zertifizierte Kolleg*innen auf einer einzigen Internetplattform finden können, ist ein Meilenstein. Leider hat sich unsere Stellung als therapeutischer Beruf in der Regelversorgung von Patient*innen kaum verbessert. Da sehe ich noch einen großen Handlungsbedarf und viel politische Überzeugungsarbeit für die Berufsverbände. Nur ein strategisches und gemeinsames Vorgehen führt zum Ziel. 

Frau mit mittellangen hellbraunen Haaren und Brille schaut in die Kamera und lächelt.
© Christoph Heinrich

Wie hat sich Ihre eigene Tätigkeit im Laufe der Jahre verändert? Welche Entwicklungen haben Sie besonders geprägt?

Ein Thema, das mich all die Jahre fasziniert hat, ist das Darmmikrobiom. Anfang der 2000er Jahre gab es dazu nur wenige Studien. Mit der Einführung molekularbiologischer Methoden hat sich dies grundlegend geändert. Heute gibt es kaum noch ein Krankheitsbild, bei dem kein Zusammenhang zum Mikrobiom gesehen wird. Und die Ernährung gilt als einer der wichtigsten Einflussfaktoren. Diese Verknüpfung habe ich in meinen Seminaren immer deutlich gemacht.


Vor rund zehn Jahren kam für mich ein weiteres Herzensthema dazu: Die Ernährung für Palliativpatient*innen. Das war eine Folge meiner Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizhelferin. So wurde ich eine Mitbegründerin der Sektion Ernährung in der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Die Arbeitsgruppe aus ca. 15 engagierten Kolleginnen ist ein Positivbeispiel für eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Diätassistentinnen und Ernährungswissenschaftlerinnen. Wir haben unser gesammeltes Wissen im „Praxishandbuch Ernährung in der Palliativmedizin“ zusammengetragen (2025 erschienen im Verlag Elsevier). Außerdem haben wir uns dafür eingesetzt, dass es eine zertifizierte Basisqualifikation in Palliative Care für Ernährungsfachkräfte gibt.

Was können Ernährungsfachkräfte im Bereich Palliativmedizin erreichen? Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Das Potenzial der Ernährungstherapie wird im Rahmen der palliativmedizinischen Versorgung oft unterschätzt. In der Anfangsphase einer palliativen Versorgung leistet die Ernährungstherapie einen wesentlichen Beitrag zum Prinzip des „best supportive care“, indem ein optimaler Ernährungszustand der Patient*innen angestrebt wird. Wenn die Erkrankung fortschreitet und die Vermeidung von Mangelernährung nicht mehr im Vordergrund steht, können wir immer noch viel für die Förderung der Lebensqualität schwerkranker Menschen tun, wenn wir deren Symptome lindern und ihnen Genussmomente ermöglichen. Diesen Ansatz bringt die Sektion Ernährung in die Palliativmedizin ein und bekommt dafür viel positive Resonanz. Wir haben verschiedene Informationen und Instrumente zur Förderung des Genusses im Rahmen der palliativen Versorgung erarbeitet und bieten diese zum kostenlosen Download auf unserer Internetseite an.

 

Ich wünsche mir, dass sich mehr Ernährungsfachkräfte auf diese herausfordernde aber auch beglückende Aufgabe vorbereiten und zum Wohle der Patient*innen in die Palliative Care Teams integriert werden.

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