Healthy Athletes® – für mehr Inklusion in der Gesundheitsversorgung

Healthy Athletes® – für mehr Inklusion in der Gesundheitsversorgung

Ernährungsfachkräfte bei den Special Olympics World Games 2023

Vom 17. bis 25. Juni 2023 fanden die Special Olympics World Games (SOWG) in Berlin statt. Über 6.000 Athleten und Athletinnen aus 190 Delegationen der ganzen Welt kamen für die Weltspiele nach Deutschland. Neben den Wettkämpfen in 26 Sportarten, gibt es seit 1997 das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes®, welches sich auf die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung spezialisiert hat. Denn viele Menschen mit geistiger Behinderung sind mit einer starken gesundheitlichen Chancenungleichheit konfrontiert. Auch dadurch haben diese ein höheres Risiko für zusätzliche gesundheitliche Einschränkungen und weisen in vielen Bereichen oft eine schlechtere Gesundheit auf. Sie haben beispielsweise weniger Sportangebote oder eine weniger ausgewogene Ernährung, was unter anderem zu Übergewicht führen kann.

 

Healthy Athletes® hat das Ziel diese Ungleichheit zu verringern und Barrieren in der gesundheitlichen Versorgung abzubauen. Das Programm bietet Teilnehmenden kostenlose Gesundheitsuntersuchungen, Aufklärung in unterschiedlichen gesundheitsbezogenen Bereichen und Empfehlungen zur Weiterbehandlung, in einer barrierefreien Umgebung. Im Rahmen der weltweit größten inklusiven Sportveranstaltung wurden dieses Jahr 15.000 Screenings durchgeführt.

In der Gesundheits-Disziplin Health Promotion konnten die Athleten und Athletinnen unter anderem mehr über eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise lernen. Neben der BMI-Messung, Informationen zur Knochengesundheit und zum Tabakkonsum, u. v. m. erhielten die Sportler und Sportlerinnen an verschiedenen Stationen Informationen zu einer ausgewogenen Ernährung. Die Inhalte konnten mithilfe von Lebensmittelpyramiden, -attrappen, dem Tellermodell und der Getränkepyramide, die von Margarete Nowag entwickelt wurde, gut heruntergebrochen werden. Nicht zu vergessen die Osteoporose Station, an welcher die Wichtigkeit des Verzehrs calciumreicher Nahrungsmittel für die Knochen thematisiert wurde. Abschließend wurden die Daten der einzelnen Sportler und Sportlerinnen von den verschiedenen Stationen ausgewertet und ein Lob für die Teilnahme sowie individuelle Empfehlungen ausgesprochen.

Ernährungskompetenz im Bereich Health Promotion des Healthy Athletes® Programms (v. l. n. r. Margarete Nowag, Anna Haß, Maren Germann, Julia Irnich)

Unter den 18.000 Volunteers waren auch Ernährungsfachkräfte, Schüler*innen verschiedener Diätschulen und Studierende der Oecotrophologie und Ernährungswissenschaft vertreten. Sie unterstützten die Bundeskoordinatorin für Ernährung von Special Olympics (SO) Deutschland, Margarete Nowag bei der Durchführung von Ernährungsanamnesen und dem Angebot der Ernährungsthemen.

Für mich war die freiwillige Unterstützung bei den Healthy Athletes® eine einmalige Erfahrung mit bereichernden Begegnungen, inspirierenden Gesprächen und ganz viel Spaß. Ich durfte nicht nur Wissen vermitteln, sondern konnte auch wertvolle Erfahrungen mitnehmen. Sowohl im Umgang mit Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung als auch mit anderen Kulturen und Sprachen sowie deren Essgewohnheiten. Dadurch weitet sich der Blick für die unterschiedlichen Bedürfnisse. Ich finde solche Erfahrungen sehr wertvoll, weil ich dadurch mein Handeln noch einmal reflektieren und ggf. neu ausrichten kann. Der Austausch mit engagierten Kolleg*innen motivierte mich sehr, mich für diese globale Inklusionsbewegung einzusetzen. So war das Motto der Weltspiele allgegenwärtig: #ZusammenUnschlagbar.

 

Denn auch nach den neun Tagen voller Sport und Emotionen sollten das Engagement und die Ziele der globalen Inklusionsbewegung weitergetragen werden. Für mehr Anerkennung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung. Special Olympics unterstützt weltweit Menschen mit geistiger Behinderung durch Gesundheits-, Bildungs- und Qualifizierungsprogramme. Um die Gesundheitskompetenzen der Athleten*innen zu verbessern, muss das Angebot der zielgruppenspezifischen Beratung und Untersuchung flächendeckend und das ganze Jahr verfügbar sein. Hier ist nicht nur Weiterbildung und Sensibilisierung von medizinischem Fachpersonal sondern auch die Politik gefordert.

 

Für Menschen mit geistigen Behinderungen ist insbesondere die Verwendung von Leichter Sprache sehr wichtig. Hierbei ist es wichtig die Gesundheitsleistungen, wie zum Beispiel die Ernährungsberatung, individuell zu gestalten. Leichte Sprache ist jedoch gar nicht so einfach umzusetzen, wie man es vielleicht denkt. Dennoch lohnt es sich, sich damit zu beschäftigen.

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Verfasser*in: Julia Irnich

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim BerufsVerband Oecotrophologie e. V. (VDOE)