Erste Antworten der Parteien – Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021

Erste Antworten der Parteien – Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021

Auch zur diesjährigen Bundestagswahl hat der VDOE  acht Wahlprüfsteine erstellt und den im Bundestag vertretenen Parteien zur Beantwortung zugeschickt. Die Antworten werden nach Erhalt auf unserer Website veröffentlicht. Die Basis der Fragenkomplexe bilden die vielfältigen Arbeits- und Wirkungsbereiche von Oecotropholog*innen, Ernährungs-, Haushalts-, und Lebensmittelwissenschaftler*innen.

Folgende Wahlprüfsteine hat der VDOE zur Bundestagswahl 2021 bei den Parteien eingereicht:

  • Welche Maßnahmen und Budgets werden für interdisziplinäre Ernährungs- und Lebensmittelforschung und zur Erforschung der Ernährungs- und Verbraucherbildung bereitgestellt? Welche Forschungsschwerpunkte mit Bezug zur Ernährungs-/Lebensmittelwissenschaft werden gesetzt?
  • Wie wird das Thema Ernährung in Aus- und Weiterbildung relevanter Berufsgruppen und schulischer Lehrpläne integriert, um die Voraussetzungen für frühe Ernährungsbildung zu schaffen? Wie wird das Angebot gesundheitsförderlicher Verpflegung in Kita- und Schule unterstützt?
  • Welche Rolle spielt eine Zertifizierung der Verpflegung nach den DGE-Qualitätsstandards in Kita, Schule, Mensa, Klinik, Pflegeeinrichtung, Betrieb? Mit welchen Strukturen soll die Qualitätsverbesserung auf Seiten der Versorgungsbetriebe unterstützt werden?
  • Welche Strukturen für qualifizierte Ernährungsberatung und -therapie sollen in das Gesundheitswesen integriert werden? (Kostenübernahme? Berufsbezeichnung?) Wie werden Verbraucher vor gesundheitlichen Risiken/Schäden durch minder- oder unqualifizierte Anbieter geschützt?
  • Welche Pläne bzw. Maßnahmen zur Gesundheitsförderung von stärker durch Ernährungsrisiken beeinträchtigten Gruppen (z.B. Senioren, bildungsferne bzw. andere sozial benachteiligte oder vulnerable Gruppen) sind vorgesehen und wie wird die Benachteiligung dieser Gruppen ausgeglichen?
  • Mit welchen handlungsbezogenen Maßnahmen wird das eigenverantwortliche, gesundheitsförderliche und nachhaltige Ernährungs- bzw. Konsumverhalten von Verbrauchenden ihren kulturellen/persönlichen Bedürfnissen entsprechend gefördert bzw. unterstützt?
  • Mit welchen Maßnahmen sollen Erzeuger, Handwerk und lebensmittelverarbeitende Betriebe unterstützt werden, qualitativ hochwertige Produkte auf den Markt zu bringen? Wie wird die Position kleiner/mittelständischer Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft im Wettbewerb gestärkt?
  • Wie sollen Gründer*innen und Solo-Selbstständige im Bereich Lebensmittel/Ernährung/Gesundheit gefördert und unterstützt werden, so dass mehr Menschen auf diese Art ihre Existenz sichern können und ihr Know-how für eine verbesserte Ernährungssituation und –kommunikation einsetzen?

 

Die eingegangen Antworten der Bundestagsparteien finden sie hier:

 

Bislang vorliegende wissenschaftsbasierte Papiere zur Fortentwicklung des Ernährungssystems in Deutschland beruhen aktuell auf den mehr oder weniger einseitigen Perspektiven einzelner Fachrichtungen. Für gesundheitsbezogene Aspekte der Ernährung bzw. Ernährungsprävention sind jedoch laut der WHO-Definition von Gesundheit aus 1948 ausdrücklich die multidimensionalen Perspektiven interdisziplinär-wissenschaftlicher Erkenntnisse erforderlich, wie sie im Studium der Oecotrophologie oder verwandten Studiengängen gelehrt werden. Dieses Erfordernis besteht ferner auch, um dem umfassenden Charakter des Totalphänomens Ernährung gerecht zu werden sowie den sehr unterschiedlichen Bedürfnislagen und sozialen Unterschieden innerhalb der sich zunehmend diversifizierenden Zivilgesellschaft, wie auch aus der ebenfalls stark differenzierten Ernährungswirtschaft.

Aus diesem umfassenden Verständnis von Ernährung und Gesundheit resultiert unweigerlich die Notwendigkeit, Strategien und Konzepte auf Grundlage interdisziplinär-wissenschaftlicher Grundlagen zu verfolgen, die mit den realen Lebenswelten sämtlicher sozialer Gruppen anwendbar und mit den kulturell unterschiedlichen Verständnissen eines „guten“ bzw. gesunden Lebens in Einklang zu bringen sind.

Absolvent*innen der Oecotrophologie und vergleichbarerer Studiengänge forschen und wirken auf sämtlichen Ebenen. Aufgrund ihrer fachübergreifenden Kompetenz sind sie wichtige Akteur*innen, um den Wandel des Ernährungssystems in Deutschland und global auf Basis differenzierter, interdisziplinär-wissenschaftlicher Forschung, voranzutreiben. Die Voraussetzungen dafür sind respektive des zeitlichen Drucks der Herausforderung unverzüglich zu schaffen.