Depressionen und Magen-Darm-Beschwerden: Was bewirken Probiotika?

Depressionen und Magen-Darm-Beschwerden: Was bewirken Probiotika?

Es ist erwiesen, dass zwischen Depressionen und Magen-Darm-Beschwerden eine Beziehung besteht. Beispielsweise legt dies eine Umfrage mit 18.571 Proband*innen nahe. Hier lag die Prävalenz von Depressionen bei Personen mit Magen-Darm-Beschwerden höher als bei jenen, die keine solcher Symptome zeigten (7,5 % gegenüber 2,9 %) (1). Verschiedene Studien haben darüber hinaus gezeigt, dass Patient*innen, die an Verstopfung und Depressionen leiden, von Probiotika profitieren können. So erwies sich der probiotische Bakterienstamm Lacticaseibacillus paracasei Stamm Shirota (LcS), früher Lactobacillus casei Stamm Shirota, als wirksam bei Obstipation in verschiedenen Studiengruppen (2, 3).

 

In einer aktuellen Untersuchung von Zhang et al. wurde bei Patient*innen mit Depressionen die Wirkung von LcS auf Obstipationssymptome, die Zusammensetzung der Darmmikrobiota und den Schwergrad der Depression untersucht (4).

 

Es nahmen insgesamt 82 Personen an dieser randomisierten doppelblinden und placebokontrollierten Studie teil. Nach einer 14-tägigen Baselineperiode tranken die Proband*innen über 63 Tage 100 ml eines fermentierten Milchgetränks mit LcS (108 CFU/ml) oder ein Placebo. In einem Tagebuch wurden u. a. Fragen zur Häufigkeit des Stuhlgangs, der Stuhlkonsistenz, der Schwere der Verstopfung sowie eine Bewertung der Verstopfungssymptome festgehalten. Ebenso erfolgte eine Stuhl- und Blutprobenentnahme zu Beginn und am Ende der Intervention. Der Schweregrad der Depression wurde anhand des Beck Depression Index (BDI) und der Hamilton Depression Rating Scale (HAMD) erfasst, Verstopfungssymptome wurden mithilfe des PAC-SYM-Scores bewertet.

 

Nach dem 9-wöchigen Verzehr zeigte sich in der LcS-Gruppe eine signifikante Verbesserung von verschiedenen Stuhlgangsproblemen (wie z. B. rektales Reißen oder Blutungen nach dem Stuhlgang) im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Sowohl BDI als auch der HAMD ergaben eine signifikante Verbesserung der Depression sowohl in der Placebo- als auch in der LcS-Gruppe. LcS und Placebo scheinen demnach gleichermaßen einen Effekt auf die Depression zu haben. Ein Blick auf die Zusammensetzung der Darmmikrobiota zeigt, dass durch die Gabe von LcS die nützlichen Bakterienstämme Adlercreutzia-, Megasphaera- und Veillonella erhöht und Bakteriengruppen, die im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen stehen (wie Rikenellaceae_RC9_gut_group, Sutterella und Oscillibacter), verringert werden konnten. 

 

Fazit: Der regelmäßige Verzehr von LcS kann bei depressiven Personen positive Effekte auf den Stuhlgang sowie möglicherweise auf depressive Symptome haben und scheint, die mit psychischen Erkrankungen verbundenen Darmbakterien regulieren zu können.

 

Weitere Forschungsergebnisse untermauern die Bedeutung der Darmmikrobiota für die geistig-mentale Stabilität. So konnten Wissenschaftler*innen der belgischen Universität Leuven in einer Mikrobiom-Populationskohorte (n= 1.054) zeigen, dass Butyrat-produzierende Faecalibacterium– und Coprococcus-Bakterien durchweg mit einer höheren Lebensqualität korrelierten und, neben Dialister, die Coprococcus-Bakterien bei Depressionen vermindert waren (5).

 

Lesen Sie dazu auch den Blogbeitrag Life-Sports-Balance: wie Sport, Ernährung, Darmmikrobiota und Stress zusammenhängen. Hier geht es u. a. um den Effekt von Probiotika auf körperliche und mentale Stresssymptome bei Sportler*innen.

Quellen:

(1) Walker et al. (1992): Comorbidity of gastrointestinal complaints, depression, and anxiety in the Epidemiologic Catchment Area (ECA) Study. Am J Med.; 92: 26 – 30, doi: 10.1016/0002-9343(92)90133-v. PMID: 1531168

(2) Koebnick et al (2003): Probiotic beverage containing Lactobacillus casei Shirota improves gastrointestinal symptoms in patients with chronic constipation. Can J Gastroenterol; 17: 655 – 659

(3) Kato-Kataoka et al. (2016): Fermented milk containing Lactobacillus casei strain Shirota prevents the onset of physical symptoms in medical students under academic examination stress. Beneficial Microbes; 7 (2): 153 – 156

(4) Zhang et al. (2021): Effects of Fermented Milk Containing Lacticaseibacillus paracasei Strain Shirota on Constipation in Patients with Depression: A Randomized, Double-Blind, placebo Controlled Trial.  Nutrients; 13 (2238): 1 – 16. https://doi.org/10.3390/nu13072238

(5) Valles-Colomer et al. (2019): The neuroactive potential of the human gut microbiota in quality of life and depression. Nature Microbiology; 4: 623 – 632

Auf der Website Yakult – Science for Health erfahren Sie alles rund um die Wissenschaft zu den Themen Darmgesundheit und Probiotika sowie zu unserem Bakterienstamm L. paracasei Shirota vor. Wir bieten Ihnen Materialien für die Fachkraft mit Broschüren und Informationen zum Download.

 

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Verfasser*in: Susanne Furhländer

Susanne Fuhrländer arbeitet im Bereich Science Communication bei der Yakult Deutschland GmbH. Sie erreichen Frau Fuhrländer unter wissenschaft@yakult.de oder unter der Telefonnr. +49 (0) 2131 3416-25